Der Versandhaus-Blog von Stephan Meixner

Tablet-Commerce: Wieso die neue Arqueonautas-App so begeistern kann

30.01.12 von Sebastian Meixner

Zugegeben: Der Name 'Arqueonautas' ist ein Zungenbrecher und auch für dieses Posting musste ich die Marke googlen, da ich mir die Schreibweise immer noch nicht einprägen konnte. Die brandneue iPad-App des Textilanbieters (s. Pressemeldung) dagegen werde ich so schnell nicht vergessen.

Die meisten Tablet-Apps bestehen bislang aus recycelten PDF-Katalogen, was unter Innovationsgesichtspunkten schlichtweg ein Desaster ist. Rühmliche Ausnahmen aus deutschen Landen sind die iPad-App von Manufactum und die kürzlich veröffentliche Anwendung von Globetrotter. Bei dieser gefällt mir besonders, dass sich ein Versender tatsächlich einmal traut, das Flipboard-Prinzip für den Handel zu adaptieren. Leider aber geht dieser Ansatz recht schnell in einer durchwachsenen Usability verloren.

Von vorne bis hinten durchkomponiert und wie aus einem Guss wirkt dagegen die App von Arqueonautas:

Einzelne Sortimentsseiten sind wie die Foto-App von Apple konzipiert.

Über einen Kompass lässt sich das Sortiment auf Wunsch eingrenzen.

Auf Artikeldetailseiten wird sofort klar, wie viele weitere Fotos es gibt und wie sich der Artikel ordern lässt.

Artikelfotos lassen sich auf die gesamte Display-Größe zoomen, verpixeln dabei aber leider.

Der Checkout dagegen wirkt wieder klar und aufgeräumt, bestellt wird direkt über die App.

 Was also lehrt die Arqueonautas-App? Ich denke, die folgenden drei Punkte:

  • Weniger ist mehr:
    Es braucht keine ungewöhnlichen Features, um einen Mehrwert zum klassischen Shop zu bieten. Das kann auch eine herausragende Usability schaffen.
  • Fotos, Fotos, Fotos:
    Das iPad ist ein digitaler Bilderrahmen. Wer viel Geld in teure Fotos investiert, sollte diese in Tablet-Apps in den Mittelpunkt rücken.
  • Auf Apple-Apps achten:
    Wer tolle Apps bauen will, muss nur gelernte Navigationsmuster aus offiziellen Apple-Apps klonen. Das Fotoalben-Feature in der Arqueonautas-App ist jedenfalls mein Highlight.

Natürlich bietet auch die Arqueonautas-App noch Verbesserungspotenzial. Ein Landscape-Modus beispielsweise fehlt. Die Icons für Männer/Frauen in der linken Navigationsleiste wirken etwas komisch. Und die Inhalte aus dem Arqueonautas-Magazin sind nur in Teilen für das iPad optimiert. Dennoch gilt: Hut ab vor dieser Leistung!

E-Commerce 2020: Alles Amazon, oder was?!

20.01.12 von Stephan Meixner

Amazon thront bereits seit geraumer Zeit an der Spitze unserer Top 100 des Deutschen Versandhandels. Und seit dem vergangenen Weihnachtsgeschäft dürfte der E-Commerce-Riese seine Nachfolger noch deutlicher in die Schranken verweisen als bislang, wie Thorsten Boersma prognostiziert:

2011 wird Amazon konservativ hochgerechnet weltweit 48,2 Mrd. US-$ oder rd. 35 Mrd. Euro Umsatz machen. Wenn man den Umsatzanteil von Deutschland aus dem letzten Jahr fortschreibt, wird der Umsatz von Amazon Deutschland in 2011 dann rd. 3,85 Mrd. Euro betragen. Das bedeutet: Der Umsatz von Amazon in Deutschland dürfte im Jahr 2011 um etwas mehr als eine Milliarde Euro gewachsen sein.

Zum Vergleich: Aktuell liegt Amazon mit rund 2,8 Mrd. Euro auf Platz eins, ärgster Verfolger ist Otto mit 2,1 Mrd. Euro Umsatz. In diesem Jahr dürfte sich die Kluft zwischen den Beiden weiter vergrößern, auch weil für viele aus der Branche inzwischen E-Commerce und Amazon schlichtweg dasselbe ist:

Fragt man Mitarbeiter großer, deutscher Online-Händler wo sie persönlich am häufigsten einkaufen, bekommt man fast immer die gleiche Ansage: “Bei Amazon!” Oft sind die Ansprechpartner noch nicht einmal peinlich berührt, weil sie Produkte aus dem eigenen Angebot dort nicht erwerben. Überträgt man dieses Prinzip auf das Gross der anderen, erklärt sich schnell warum Amazon fast in jedem Bereich unumstrittener Marktführer ist, bei Büchern sogar mit einem 90%igen Marktanteil.

Entsprechend düster erscheint zunächst die Zukunft des interaktiven Handels:

Laut einer Studie „E-Commerce-Markt Deutschland 2011“ des Handelsinstitut EHI zusammen mit dem Marktforscher Statista werden auch in Deustchland die Top10 immer größer und allen voran schreitet Amazon. Aber selbst dort oben wird die Luft dünner. Der deutsche Megakonzern Otto, der übrigens trotz seines viel höheren Alters deutlich kleiner als Amazon ist, aber auch eBay oder der Neckermann Konzern werden um zukünftige Marktanteile erbitterte Kämpfe ausführen müssen.

Tatsächlich braucht es im Internet-Zeitalter nicht unzählige Universalversender, wenn ein Großer sein Geschäft perfektioniert. Wie aber soll die Konkurrenz auf Amazons Ausnahmestellung reagieren? Die auf Conversion-Optimierung spezialisierte Agentur Web Arts empfiehlt, bei Amazons Schwachstellen anzusetzen:

Amazon ist tatsächlich ganz schlecht in Sachen eMail-Marketing, hier schießt man mit sehr viel Schrot auf viele Spatzen, andere Retailer können das deutlich besser und professioneller. Auch bei komplexeren und erklärungsbedürftigen Produkten und bei Kundenbindungsprogrammen muss Amazon aufholen. Auch überall da, wo man sich ein Produkt sinnvoll und individuell zusammenstellen muss, ist Amazon deutlich überfordert. Die schiere Fülle an Produkten und die durchaus komplexen Tools und Möglichkeiten machen Amazon zudem nicht gerade zu einem Leuchtfeuer der Gebrauchstauglichkeit."

Das sind sicherlich alles Punkte, über die man diskutieren kann. Aber sind ausgeklügeltes E-Mail-Marketing, Mass Customization und eine überragende Usability wirklich Wunderwaffen? Wenn Amazon eine Riesen-Auswahl, schnelle Lieferungen und guten Kundenservice in den Ring werfen kann? Es wird wohl kaum reichen, etwas am Frontend zu schrauben - eine Anti-Amazon-Strategie muss tiefschürfender sein.

Wie sieht Ihr Ansatz aus?

"90-Minutes-Delivery": Entscheidet die Logistik über die Zukunft des E-Commerce?

05.01.12 von Stephan Meixner

Wer in Großbritannien bei Coast, Oasis oder Warehouse bestellt, sichert sich einen netten Vorteil. Mit ein wenig Glück kommt das Paket mit der heiß ersehnten Ware nämlich schon binnen 90 Minuten beim Kunden an. Möglich macht das eine Kooperation mit Logistik-Dienstleister Shutl, der mit seinem Konzept in UK zunehmend für Furore sorgt (PDF):

Aurora Fashions, the group behind some of the UK’s most respected women’s fashion brands - Coast, Oasis and Warehouse – is launching 90 minute deliveries across all its brands in five new cities across the UK, becoming the first fashion retailer to do so.

The service allows customers to order and receive their fashion items within as little as 90 minutes by selecting this option at the checkout on the brands’ websites. The regional roll-out follows a successful three-month pilot in London where 91% of orders were delivered in under 90 minutes. The fastest fulfilment was just 16 minutes to an address in Central London. The service launched for the first time in August.

Das Prinzip: Shutl snychronisiert über APIs die E-Commerce-Plattformen von Retailern mit den Bestandsdaten von lokalen Kurierdiensten (die technischen Details hat Shutl anschaulich in diesem PDF zusammen gefasst). Wenn Kunden dann bei einem der teilnehmenden Handelspartner ordern, bekommen sie die Ware auf Wunsch in einer 90-Minuten-Lieferung.

Diese kostet zwar ein wenig mehr: Oasis beispielsweise berechnet 9,99 Pfund statt der üblichen 2,99 Pfund für die übliche Standardlieferung. Unterm Strich sollen das Händler aber durch zufriedenere Kunden, höhere Umsätze und mehr Impulskäufe locker ausgleichen können:

Hierzulande bietet der Karlsruher Logistik-Dienstleister Gaxsys ein ähnliches System an. Während aber Shutl auch Online-Pureplayer adressiert, richtet sich Gaxsys in erster Linie an Hersteller, die bei ihrer Online-Strategie den lokalen Fachhandel nicht verprellen möchten:

Bei einer Bestellung - beispielsweise im Ricosta-Onlineshop - wird die Order im Backend dann Fachhändlern angeboten, die sich in der Nähe der Lieferadresse befinden. In Testgebieten wird bereits mit lokalen Fahrrad-Kurierdiensten geliefert. Man darf gespannt sein, wie sich der Service in Zukunft entwickeln wird. Potenzial jedenfalls steckt in Shutl & Co. auf jeden Fall.

Start-Up des Jahres: Upcload holt den Titel

19.12.11 von Stephan Meixner

Die Berliner Upcload GmbH ist vom Online-Portal Deutsche-Startups.de nun zum „Start-Up des Jahres“ gekürt worden. Der Dienstleister bietet einen webbasierten Körper-Scanner an, über den Verbraucher zuhause ihre exakten Körpermaße ermitteln können. Nutzer müssen dazu ihre Webcam starten und sich anschließend etwa drei bis vier Meter vor ihrem PC positionieren, um den Scan durchzuführen.

Die Körpermaße werden anschließend in einem indivuellen Upcload-Profil abgespeichert. Diese Daten lassen sich dann in jedem Textil-Shop abrufen, der den Service von Upcload unterstützt. Online-Shops sollen mit dem Service ihre Retourenquoten verringern, da Nutzer nicht mehr von einzelnen Klamotten unterschiedliche Größen zum Anprobieren ordern müssen.

Das Berliner Start-Up konnte insgesamt elf von 39 Jury-Stimmen ergattern und damit so viele wie kein anderes der nominierten Unternehmen. Auf den von uns organisierten E-Commerce Strategietagen (ECOM) konnte das Start-Up auch schon den Elevator's Pitch gewinnen. Dennoch ist ein Körper-Scan kein Allheilmittel gegen Retouren, wie unsere Analyse in der aktuellen Print-Ausgabe des Versandhausberaters zeigt.

Tatsächlich löst der Service in erster Linie ein Problem der Versender und nicht zwangsweise ein Problem der Kunden. Wir wünschen Sebastian Schulze & Team an dieser Stelle daher alles Gute für die Zukunft. Dass Körper-Scanner die Retouren aber entscheidend eindämmen können, muss die Praxis erst noch beweisen – bislang testet nur Northface in den USA das Feature.

Vor diesem Hintergrund hatte ich meine Stimme an den Abo-Commerce-Dienst Glossybox vergeben. Dabei handelt es sich zwar "nur" um einen Samwer-Klon des US-Originals Birchbox. Das Business-Modell ist aber einfach zu verführerisch: Die Box voll Beauty-Pröbchen bietet Monat für Monat neue Überraschungen, die direkt Folgebestellungen anschieben. Der Kunde zahlt für die Bedarfsweckung – sehr charmant! Dazu stellen die Hersteller die Proben auch noch kostenlos zur Verfügung stellen - zumindest beim US-Original Birchbox, wie Jochen Krisch berichtet. Glossybox verdient an einem Kunden damit nicht nur dopppelt, beim ersten Mal muss der Anbieter nicht einmal Ware einkaufen.

Die H&M-Strategie: Kopflos oder clever?

16.12.11 von Stephan Meixner

In der Blogosphäre machen entsprechende Gerüchte schon länger die Runde, jetzt ist es aber erstmals offiziell: Gegenüber der schwedischen Tageszeitung Aftonbladet (Originalartikel) hat H&M nun bestätigt, dass im hauseigenen Online-Shop virtuelle Models zum Zuge kommen. Beauty-Blogger.info fasst zusammen:

"Der Bekleidungshersteller H&M gibt unumwunden zu, dass die für die eigene Webseite posierenden Models zu weiten Teilen fiktional sind. So werden an dieser Stelle mittlerweile bereits vollständig computergenerierte Körper eingesetzt, die im Rechner nur mehr mit den Köpfen real existierender Models kombiniert werden. Die Kleider selbst werden wiederum auf einer Puppe fotografiert und dann später mit dem restlichen Bild kombiniert."

 

Markenexperten warnen nun, dass H&M seine Glaubwürdigkeit verliere, da die Abbildungen im Online-Shop nicht mehr authentisch seien. Andere wiederum werfen dem schwedischen Bekleidungskonzern vor, ein gefährliches Schönheitsideal mit seinen Fake-Models zu schaffen.

 

Doch ist das wirklich so? Fakt ist doch vielmehr, dass selbst viele reale Models ein falsches Schönheitsideal schaffen. Und H&M in seinem Online-Shop zu keiner Zeit behaupt, dass es sich bei diesen Models (siehe oben) um reale Personen handelt - wie kann der Textilriese dann seine Glaubwürdigkeit verspielen?

Vielleicht verhält sich H&M ja einfach auch nur clever. Fake-Models sparen schließlich nicht nur Geld bei der Fotoproduktion. Der Konzern hat es auch geschafft, sich mit dem Thema ins Gespräch zu bringen. Und zwar ohnem, dass gleich die Hölle los bricht. Auch wenn das manche US-Kollegen gerne hätten.

Weltanschauung oder Webanschauung

24.11.11 von Martin Groß-Albenhausen

Die scheinbar so hastige Verkaufsentscheidung über den Augsburger Medienhändler Weltbild hat eine lange Vorgeschichte. Dabei ist nicht so sehr die Frage spannend, ob sich hierzulande derzeit überhaupt ein Käufer für ein so großes Unternehmen findet - Geld ist im Ernstfall immer da. Vielmehr zeigt sich ein Konflikt zwischen klassischem und modernem Selbstverständnis.

2008 war ein Verkauf der Mediengruppe Weltbild schon einmal im Gespräch. 8 Monate nach den ersten öffentlichen Signalen hat der Aufsichtsratsvorsitzende, Klaus Donaubauer, den Prozess wieder abgesagt. Doch bis zu der Entscheidung, Weltbild doch nicht zu verkaufen - angesichts der Lehman-Krise im Jahr 2009 sei kein akzeptabler Preis zu erzielen -, hat Weltbild einen Transformationsprozess angestoßen, der heute in der neuerlichen, den Eigentümern wohl sehr dringlichen Veräußerung mündet.

Im Frühjahr 2009 wurde in Augsburg an Haupt und Gliedern reformiert, um in der hier angebrachten konfessionellen Sprache zu bleiben. Die Produktionsabteilung, die für den Druck der parallel verkauften Zeitschriften-Aktivitäten sowie der Kataloge zuständig war, wurde massiv verkleinert. Investiert hat Weltbild-Chef Carel Halff vor allem in die Internet-Aktivitäten und die IT: Derzeit läuft in Augsburg die Umstellung auf SAP.

Die Früchte konnten die katholischen Bistümer schon mit dem vergangenen Geschäftsjahr ernten: Weltbild hat als eines der wenigen Medienunternehmen den Übergang in die Online-Welt nicht nur gemeistert, sondern nimmt potentiell auch für die Zukunft eine führende Rolle dort ein.

Möglich wurde dies, weil Halff die Strukturen auf die neuen Gesetzmäßigkeiten des interaktiven Buchhandels voll ausgerichtet hat. Und das hieß klar: Reduktion der Vorselektion im Katalog, gezielter Kontrollverlust im Sortiment. Oder wie mir ein Online-Manager damals sagte: "Ich kann nicht darauf warten, dass der Einkauf ein Produkt für würdig befindet, in den Katalog aufgenommen zu werden. Die Kunden verlangen es jetzt, die Nachfrage ist in dieser Minute im Netz da - da muss ich das Angebot haben."

Solche Ausrichtung am aktiven Kunden funktioniert nur, wenn die Hoheit über den Katalog aufgegeben wird. Und genau das hat Weltbild konsequent gemacht: Millionen von verfügbaren Produkten können nicht einzeln klassifiziert und selektiert, bewertet und genehmigt werden. Die Bereitstellung erfolgt über einen Großhändler und zielt auf maximale Lieferfähigkeit.

Damit ist Weltbild auch für 0,017 % Nachfrage offen, die nach erotischer oder, wenn man so will, pornographischer Literatur giert. Auch wenn es dem katholischen Weltbild widersprechen mag.

Die Position der Bischöfe wiederum ist genau so legitim, und sie kann ohne religiöse Hintergründe von jedem Händler genau so ins Feld geführt werden: Die Zukunft liegt nicht in der Beliebigkeit, sondern in der Kraft der Nische. Wir sehen das bei höchst erfolgreichen Händlern, die eben nicht "Marktplatz" sind, auch nicht Category Killer, sondern auf Exklusivität, Produktqualität und Meinungsführerschaft qua Kompetenz setzen.

Genau das ist die Vision der Bischofskonferenz: Weltanschauung statt Webanschauung. Vereinfachung statt Komplexität. Weniger ist mehr.

Weltbild würde dieser Weg in kürzester Zeit wieder zum katholischen Erbauungs-Buchhändler der 80er Jahre machen. Genau deshalb ist der Verkauf längst überfällig - und mit den Erlösen können die Diözesen den Borromäusverein ausbauen. Unter borromedien.de existiert genau so ein Onlineshop, wie ihn sich manche Bischöfe für Weltbild ausmalen. Mit einem messerscharfen Profil, kompetenter Auswahl seines reduzierten Angebots, einer aktiven Community, keinem ernsthaften Wettbewerb und damit einer unbestreitbaren Daseinsberechtigung.

Hebelt Google Music den Musikhandel aus?

17.11.11 von Martin Groß-Albenhausen

Wie Amazon inzwischen zum Verleger wird und damit die ehemaligen Lieferanten angreift, verlangt die Suchmaschine Google den „Major Brands“ im Musikgeschäft viel ab. Einerseits haben sich die EMI, Sony Music und Universal wie auch viele Independent Label dem Mittwoch nach vorgestellten „Google Music“ Cloud-Dienst angeschlossen. Andererseits ist mit dem „Artist Hub“ ein Konzept eingebaut, durch das Musiker ohne Label direkt an ihre Fans verkaufen können.

Das Konzept folgt klar Googles Maxime, dass die Zukunft schnell, mobil und sozial sein wird. Google Music bietet aktuell 7 Mio. Musiktitel, bis zu 13 Mio. sollen es in Kürze werden. Jeder Nutzer kann seine digitale Musiksammlung in die Cloud hochladen - dauerhaft kostenlos bis zu 20.000 Songs. Diese Lieder kann er via Stream in hoher Qualität von beliebigen Endgeräten abrufen - auf dem Smartphone, dem PC, dem Multimedia-Gerät im Wohnzimmer.

Neue Songs kann er direkt im AndroidMarket oder im MusicManager kaufen. Herunterladen entfällt, die Musik wird lediglich in der Wolke freigeschaltet. Wenn ein Nutzer ein Album oder einen Titel kauft, kann er dies im GooglePlus-Netzwerk seinen Freunden bekannt machen. Diese können den gesamten Titel oder auch das komplette Album aus dem GooglePlus-Posting heraus anhören - kostenlos. Und dann per Klick kaufen. Schnell, mobil, sozial.

Nicht ganz so sozial ist das für die Musikhändler. Denn sie bleiben in der Rechnung außen vor. Google zeigt mit GoogleMusic erstmals, wie eine Suchmaschine einen kompletten Handelskreislauf abbilden kann - von der Musikproduktion im „Artist Hub“ über Angebot, Werbung und Vertrieb bis zu Zahlung und Lieferung. Wann die großen Labels aus der Gleichung fallen, ist noch offen. Sie haben - noch - ihre Berechtigung. 

Alter Wein in neuen Schläuchen?

17.11.11 von Martin Groß-Albenhausen

Der Weinhandels-Konzern Hawesko hat bekannt gegeben, dass er 70 % am Spanien-Spezialisten Wein &Vinos übernommen hat. Die Berliner Nischen-Versender haben 2010 einen Umsatz von 17 Mio. Euro vor allem über Versand, aber auch über sieben Filialen erwirtschaftet. Nach eine Wachstum von mehr als 50 % p.a. in den letzten drei Jahren.

Für die Gründer von Wein & Vinos, eine Startup-Story der späten 90er-Jahre, ist der Verkauf eine logische Konsequenz, denn solches Wachstum braucht eine starke Kapitalbasis. Auch Einstieg von Hawesko erschließt sich aufgrund der vergleichbaren Geschäftsmodelle: Obwohl Hawesko besonders das Fundament im E-Commerce herausstellt, hat Wein & Vinos ein reinrassiges Multichannel-Konzept. Neben einem Katalog setzt das Unternehmen auf erstklassige Direct Mails. Zur Akquisition setzt Wein & Vinos derzeit ein Wertscheck-Mailing ein, das Bündelrabatte und Zugaben vorsieht.

Andererseits sollte man die Investition im Kontext des Weinmarktes insgesamt betrachten. Hawesko hat seit der Gründung von tvino.de wenig Initiative im Online-Segment gezeigt. Dass der E-Commerce-Anteil wächst, folgt eher der Entwicklung des Nutzerverhaltens als einer klaren Strategie. Auch andere klassische Weinversender kleckern hier eher, als dass sie klotzen. Die WIV AG hat sich immerhin am britischen 2.0-Konzept „Naked Wines“ beteiligt. In Frankreich haben die bekannten Anbieter wie Millesima Chancen liegen lassen: ChateauOnline oder der Private Shopping-Anbieter Cave Privée wurden von einem anderen Pureplayer, 1855.com, übernommen. Ähnlich hat der Anbieter 52weine.de hierzulande Geld von der Ecommerce-Alliance erhalten und gehört inzwischen zu 51 % Burda.

Bleibt Schuster Hawesko also bei seinem Leisten, aber das Geschäft der Zukunft bauen andere? Oberflächlich mag das so scheinen. Aber die Erfahrung im Wein-Versandhandel zeigt, dass besondere Kraft genau in dem steckt, was Hawesko Wein & Vinos geben kann: Exzellentes Database-Management. Wein & Vinos hat eine jüngere Zielgruppe und agiert in der Online-Akquisition durchaus erfolgreich. Aber die Ausschöpfung und Reaktivierung ist eine besondere Herausforderung.

Das haben auch andere Online-Weinhändler erfahren. Rüdiger Kleinkes Ebrosia aus Delitzsch z.B. hat sich auch vom Pureplayer zum versierten Multichannel-Anbieter gemausert. Nur einen Katalog und eine Anstoßstrecke zu konzipieren, reicht gleichwohl nicht. In diesem Jahr hat das Unternehmen mit Unterstützung von René Ottos „Trust in Dialog“ und einer von ihm entwickelten Cloud-CRM-Lösung sein Database-Marketing gerade gezogen. Inzwischen kann Kleinke über 48 Segmente nach Recency- und Frequency-Kriterien die Kundenentwicklung beobachten. Wenn eine Zelle im Kaufverhalten abbricht, kann Ebrosia jetzt gezielt nachfassen.

Dadurch erst gewinnt das Multichannel-Geschäft an Fahrt: Kataloge sind nun mal teuer und sollten gezielt eingesetzt werden. Dann aber kann durch Targeting die Zahl der Käufer aus dem Bestand deutlich erhöht werden, ohne dass die Kosten davon laufen.

Schaut man vor diesem Hintergrund auf die Akquisition von Wein & Vinos, kann Hawesko zur Beschleunigung eines jetzt schon erfolgreichen Geschäfts durchaus beitragen. Blickt man auf die vielen noch unerschlossenen Zielgruppen (wie kaufen Frauen Wein?), fehlt dennoch im Portfolio der Hamburger noch die Speerspitze im Online-Geschäft. Das Profil der Wein & Vinos-Käufer ist sehr nah am Hawesko-Kerngeschäft. Die Kaufanbahnung folgt den gewohnten Mustern. Hawesko hat sicher kein Risiko-Kapital gegeben.

Geht doch: So wird Print wieder sexy :-)

15.11.11 von Martin Groß-Albenhausen

Die Jungs von Moosejaw Mountaineering habe ich hier schon öfter wegen ihres sehr originellen und vor allem: auf den Punkt sitzenden Social Media-Einsatzes gelobt. Der Katalog dient mir regelmäßig als Beispiel für eine neue, über den reinen Verkauf hinausweisende Konzeption. Und jetzt wirds passend zum Winter richtig heiß: Mit einer Augmented Reality-App, in der die Katalog-Models die Hüllen fallen lassen.

Moosejaw war schon immer für Grenzgänge bekannt. Ein Katalog eröffnete mit dem Versprechen, die besten Plätze zu zeigen, an denen man in Detroit die Kunst des Koitus praktizieren könne. Warum Detroit? Weil es eine der hässlichsten Städte der USA ist - und weil "detroit" auf französisch "Engstelle" bedeutet :-) Andere Kataloge stellten die Models mal in Gefängniszellen vor, unterlegt mit Verweisen auf den italienischen Links-Philosophen Antonio Gramsci.

Die neue App trägt den schönen Namen „X-Ray“ und funktioniert als Rückführung in den Katalog. Wenn man sie auf Android- oder iPhones/iPads lädt, kann man beim Blick durch die Smartphone-Kamera auf die Katalogseiten die Models nicht im Parka, sondern in ihrer Wäsche sehen.

Und natürlich ist auch diese App „Tongue in cheek“ - mit Schabernack umgeben. Oder wie soll man den Werbechef von Moosejaw, Gary Wohlfeill, sonst verstehen?

"The X-Ray catalog and X-Ray App is designed to create an interactive, non-sensical experience that breaks the barrier between our print and digital brand. It’s also very much about seeing people in their underwear, something we’re constantly prioritizing at Moosejaw."

WTF - Sex sells.

Moosejaw X-Ray App from Gary Wohlfeill on Vimeo.

Plakatshopping en vogue

03.11.11 von Martin Groß-Albenhausen

Der Hamburg Kult-Drogist Bundnikowsky hat seine Naturkosmetik-Tochter Aliqua mit einem Onlineshop ausgestattet. Und inszeniert das in 55 Städten mit einer QR-Plakatwand. Das Video hier zeigt, wie es funktioniert.

Der Shop würde übrigens von Satzmedia programmiert.

News 1 bis 10 von 520

Tweets

30.01.2012 12:01

Jetzt im Blog: "Tablet-Commerce: Wieso die neue Arqueonautas-App so begeistern kann" http://t.co/lWuAw89E

30.01.2012 12:01

Katalogmarketing: #Neckermann verschiebt Neustart http://t.co/LLfxAbjg

30.01.2012 11:59

Diese Woche im @VH_Berater : "Facebook erlaubt neue Social-Commerce-Strategien" #Open #Graph Danke an @snipclip http://t.co/010OtMfp

23.01.2012 13:45

@Schlagbass Du sagst es... Media Markt verfolgt quasi eine E-Commerce-Verhinderungsstrategie.

23.01.2012 12:12

Der Online-Shop von Media-Markt im Usability-Test http://t.co/SFtAXk7k

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