Der Versandhaus-Blog von Stephan Meixner

Der Otto-Spot: Top oder Flop?

11.05.12 von Stephan Meixner

„Mode kommt von Otto, Technik kommt von Otto, Wohnen kommt von Otto“: Mit diesem Kombi-Slogan werben die Hamburger nun crossmedial für ihr Universal-Angebot. Herzstück der Kampagne ist ein 30 Sekunden langer TV-Spot, der bei reichweitenstarken Privatsendern ausgestrahlt wird und auch bei YouTube zu sehen ist:

Marketing-Experten wie Kollege Kolbrück von etailment können dem Spot allerdings nur wenig abgewinnen:

"Stellen sie sich einfach einen beliebigen Werbespot für eine Biermarke oder eine Chipsmarke vor, bei der wechselnde fröhliche Menschen durchs Bild turnen.

Für die Werber: Ein abgefilmtes Moodboard. Sogar die bei Werbefilmern so beliebte Dachterassse (Freiheit! Moderne Urbanität!) darf nicht fehlen. Nur dass die jungen Leute in diesem Film wechselnde Produkte in der Hand halten.

(Aufgabe aus dem Briefing: Der Spot sollte eine junge Zielgruppe zeigen und die Sortimentsvielfalt von Otto vermitteln)."

Ich frage mich vielmehr, warum Otto mit dem Spot unbedingt einen Gemischtwarenladen bewirbt und diese Gelegenheit verstreichen lässt, um das eigene Mode-Profil zu schärfen und die Mode-Kompetenz zu betonen.

Neckermann plant angeblich "massiven Stellenabbau"

27.04.12 von Stephan Meixner

Medienberichten zufolge plant Universalversender Neckermann angeblich einen "massiven Stellenabbau". Zur Stunde wolle das Unternehmen seine Mitarbeiter darüber informieren, wie es künftig weiter gehen soll. Grund für den Stellenabbau sei, dass vor allem das Kataloggeschäft von Neckermann schwächeln soll. Bis Redaktionsschluss war das Unternehmen leider für keine Stellungnahme erreichbar.

Zuletzt hatte Neckermann verlauten lassen, dass man 2011 weniger Gesamtumsatz als im Jahr zuvor erzielen konnte. Das habe unter anderem daran gelegen, dass sich Neckermann aus osteuropäischen Märkten zurückgezogen habe und sich das Kataloggeschäft spürbar schlechter entwickle als erwartet. Auch das Betriebsergebnis lag 2011 wieder unter dem Wert des Vorjahres, in dem auf EBITDA-Basis noch eine „schwarze Null“ erreicht wurde.

Uns gegenüber aber hatte man im Februar noch verdeutlicht, dass Neckermann durchaus optimistisch in die Zukunft blickt. Zwar werden die Umsätze in diesem Jahr voraussichtlich stagnieren. Da Neckermann aber bei der Katalogproduktion spare und künftig nur noch abgespeckte Print-Werbemittel an Kunden verschicke, soll das Ergebnis 2012 wieder besser ausfallen als 2011.

Apropos Sparkurs: Gerüchte über Entlassungen - gerade im Hinblick auf eine schlankere Katalogproduktion - halten sich schon seit Monaten hartnäckig in der Branche. Bereits zu Jahresbeginn waren etwa 20 Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausgetreten, die bisher mit Print-Aufgaben beschäftigt waren. Neckermann betonte damals aber, dass im Gegenzug allein im Jahr 2011 über 100 neue Mitarbeiter für IT und E-Commerce eingestellt worden waren.


Update: Gegen 14 Uhr wird Neckermann eine offizielle Pressemeldung veröffentlichen. Pikant: Bis dahin bleibt die aktuellste Unternehmensmeldung, dass Neckermann zum Top-Arbeitgeber ausgezeichnet wurde.

Update: Neckermann hat bestätigt, insgesamt 1.380 Arbeitsplätze abzubauen. Dazu wird es diese neue Strategie geben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aufgehen wird. Warum, lesen Abonnenten des Versandhausberaters ab 05. Mai in der kommenden Print-Ausgabe 18/2012.

 

Zalando vs. Otto: Wie das Start-Up etablierte Wettbewerber sieht

26.04.12 von Stephan Meixner

Auf dem E-Commerce-Tag in Berlin habe ich vergangenen Woche einen Vortrag über die wahren Trends und Herausforderungen im E-Commerce gehalten (denn Abo-Modelle, Gamification und Social Commerce entscheiden auf absehbare Zeit bestimmt nicht über Wohl und Wehe eines Online-Händlers).

Nach mir hatte dann Oliver Roskopf das Podium betreten. Und was der Online-Marketing-Chef von Zalando anschließend erzählte, hat mir nur noch einmal bestätigt: wie strukturiert und diszipliniert die Berliner aktuell den Online-Modehandel aufrollen.

Das zeigt stellvertretend das Chart, mit dem die Berliner den Erfolg ihrer TV-Investments belegen können. Demnach steigen die Zugriffe auf den Online-Shop rasant an, wenn ein Spot ausgestrahlt wurde (zu sehen an den markierten Spitzen im Chart)

Zunächst hatte Roskopf verdeutlicht, welch beeindruckende Entwicklung die lange belächelten Berliner in den vergangenen knapp vier Jahren genommen haben.

Anschließend wurde verdeutlicht, wo die Reise in Zukunft hingehen soll. Auf der Agenda stehen damit vor allem die Themen Internationalisierung und Sortimentserweiterung (beides dürfte Lesern des Versandhausberaters durchaus bekannt vorkommen ;-)

Auch interessant zu sehen/hören war, wie sich Zalando gegenüber Wettbewerbern distanziert. Demnach gelten übrigens die etablierten Mode-Versender Baur, Otto und Neckermann in der Zalando-Denke als "altmodisch". Ob Zalando aber wirklich für sein gutes Preis-Leistungsverhältnis wahrgenommen wird, bezweifle ich ein wenig. Meiner Erfahrung nach gilt Zalando durchaus als (über-)teuer(t).

Einen Seitenhieb auf Otto beinhaltet auch das Chart zu Zalandos Social-Media-Aktivitäten. So habe Zalando zwar nur halb so viele Facebook-Fans wie Otto. Dafür aber falle die Zahl der aktiven Facebook-Fans deutlich höher aus.

Zum Weiterlesen: 

Der zunehmend Konkurrenzdruck durch Online-Pureplayer wie Zalando gilt auch als Grund, warum Otto sein Restrukturierungsprogramm "Fokus" plant. Weitere Stimmen sowie alle Fakten zum geplanten Fokus-Projekt gibt es ab morgen in der aktuellen Print-Ausgabe vom Versandhausberater. Wer noch kein Heft bekommt: Interessenten können hier ein Probe-Abo abschließen und den Versandhausberater 30 Tage lang kostenlos testen.

Bitte jetzt nicht auch noch Otto!

26.04.12 von Stephan Meixner

Ein kritischer Gastkommentar von unserem langjährigen Beirat und Direktmarketing-Experten Uwe Drescher.

„Wissen Sie eigentlich noch was Sie tun?“: So lautet die ketzerische Frage von Otto-Betriebsrat Uwe Rost an den amtierenden Vorstand. Und er wird noch deutliche gegenüber einem an sich vom Erfolg verwöhnten Management: „Es ist Ihr Kurs den hier niemand nachvollziehen kann, es ist Ihr Handeln, das uns das Gefühl gibt, wir hätten es eher mit einer Reparaturwerkstatt zu tun als mit einem komplexen Großkonzern.“

Mit anderen Worten, die Führung ist konzeptionslos. Nachrichten die erschrecken. Nach Quelle nun auch Otto? Als die Quelle Manager ihre Ziele aus den Augen verloren, verdoppelten sie ihre Anstrengungen. Erfolglos wie wir heute wissen. Kann auch Otto diesen roemischen Weg mit der Lust am Untergang gehen? Vor Jahren schrieb ich einmal im Versandhausberater einen Aufsatz über die Unterschiede des Models Quelle und des Models Otto. Mein Fazit damals: „Das Model Otto war dem Model Quelle immer überlegen.“ 

Otto war besser aufgestellt. Otto hatte das bessere Kunden- und Zielgruppen-Management. Otto hatte das bessere Service-Paket. Bei Otto stand der Kunde im Mittelpunkt aller Überlegungen und störte dort am Wenigsten. Otto hatte eine Dynamik, die auf Geschwindigkeit, Substanz und Wertigkeit ausgerichtet war. Otto produzierte Nachhaltigkeit. Und was lese ich jetzt! Hermes entwickelte sich zur Perle und mit den Finanzdienstleistungen wird Geld verdient.

Wo bleibt die Strategie im Kerngeschäft?

Statt klarer Aussagen mehr ein Bild des Jammerns. ZALANDO „Schrei vor Glück“ besser ZALANDO „Schick es zurück“, soll schuld sein. Oder die sich erst im letzten Jahr online orientierenden Handelsunternehmen Saturn und Media Markt sind verantwortlich. Soll sich Otto positionieren als die Kompetenz für Junge Mode? Oder Elektronik und Haushaltsartikel? Liegt die Lösung des Problems in neuen Führungsstrukturen? Oder muss ein Sparprogramm Model Fox konzipiert werden?

Ich glaube an allem ist etwas dran aber das wesentliche ist wohl eher, das sich Besinnen auf alte Tugenden und Stärken. In erster Linie heißt das: „Kümmer Dich um Deinen Kunden!“

Wenn ich mir den Auftritt der Otto-Gruppe insgesamt anschaue, dann stelle ich mit großem Entsetzen fest, DEN Auftritt gibt’s es offensichtlich nicht mehr. PRINT – von dem Vorstandvorsitzenden Hans-OTTO Schrader schon vor 2 Jahren für Tod erklärt – fristet ein mehr kümmerliches Dasein mit Ausnahme einiger wenige Spezial Kataloge im Special Interest Sektor. 

Der gesamte online Auftritt ist irgendetwas für mögliche Kunden, die extrem geduldig sind, einen sehr hohen IQ besitzen und die Fähigkeit auszeichnet, Gordische Knoten zu durchtrennen. Von einer Vernetzung beider Vertriebskanäle keine Spur. Das Internet ist reduziert eine aktuelle Bedarfssituation zu befriedigen. Von einer Bedarfsweckung ist man Lichtjahre entfernt. Damit reduziert sich Ottos Internet Aktivität auf den Warenkorb, sprich Bestellweg - Konkurrent zu Telefon oder Bestellkarte. Die Otto Analyse ist somit folgerichtig. Kleine, wendige OnlineHändler machen Druck, setzen unter Druck. 

Betriebsratschef Uwe Rost und Vorstandschef Hans-OTTO Schrader wissen, dass sie dem nicht viel entgegen zu setzen haben. Print know-how sprich Katalog-Marketing runtergefahren auf Renner Stretching identisch über alle Konzern Marken ist mehr eine Kostenreduktion denn eine Nachfrage Optimierung. Ein isolierter aber gigantischer Internet Auftritt ist das Gegenteil von kundenorientierter Flexibilität und Orientierung. Und eine Einkaufsorganisation, die mehr den Status der eigenen Kompetenz als die Bedürfnis-Weckung und –Befriedigung der Kunden im Fokus hat, wird dann last but least von der Wendigkeit kleiner online-Händler überrollt.

Es kann sein das die römische Lust am Untergang durchaus Realität werden kann. Dagegen steht aber das Model Otto. Otto hat mehrere Krisen überstanden. Es ging nicht immer nur bergauf.

Immer wurden Krisen dadurch gemeistert, dass zukunftsfähige Strategien entwickelt wurden, die Erfolg garantierten. Sicherlich auch jetzt. Allerding mit einem Schritt zurück. Der Kunde ist die Lösung. Nur der Kunde ist in der Lage Krisen zu meistern und positive Ergebnisse zu erzielen. Ich habe früher immer gesagt: „Ich bin für die Nachfrage zuständig. Synergien und Kosten ist was für andere.“ Aber Nachfrage ist nur zu erzielen, wenn man sich am Kunden orientiert. Ihn – den Kunden ernst nimmt. Dann wird das Vertrauen der Kunden zur Marke Otto zurückkehren. Dann bleibt es bei der Jahrhundert- Positionierung:

Otto …find ich gut!
Und das kann dann auch Hans-Otto Schrader sein.

Uwe H. Drescher


Zum Weiterlesen:

Weitere Stimmen sowie alle Fakten zum geplanten Fokus-Projekt gibt es ab morgen in der aktuellen Print-Ausgabe vom Versandhausberater. Wer noch kein Heft bekommt: Interessenten können hier ein Probe-Abo abschließen und den Versandhausberater 30 Tage lang kostenlos testen.

Nachhaltigkeit vs. Exit - oder: Katalogversender vs. Online-Pureplayer?

04.04.12 von Stephan Meixner

Bei seinem New Media Symposium konnte Mediendienstleister Meyle+Müller auch in der vergangenen Woche wieder mit spannenden Referenten und Praxisvorträgen aufwarten. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Jens Ullrich, Geschäftsführer von K - New Media in Berlin (u.a. Betreiber der Online-Shops Faszinata.de und MeineStrolche.de), der gleich zu Beginn der Veranstaltung die aus seiner Sicht größten Herausforderungen beim Channel-Shift von Print zu Online thematisiert hatte. Worin sich viele Online-Pureplayer heute von klassischen Versendern unterscheiden, hat er in einer Folie treffend auf den Punkt gebracht:

Da ich mich immer noch mit meinem alten iPhone 3G durch die Lande quäle und die Bildqulität daher zu wünschen übrig lässt, hier noch einmal die zentralen Punkte aus seiner Folie in einer Blitz-Tabelle:

Nachhaltigkeit vs. Exit

Katalogversender

Online-Pureplayer

langsames Wachstum

schnelles Wachstum

"schwarze Null"

tief rot

langfristige Arbeitsverhältnisse

Powern auf Zeit

Familienunternehmen

Investoren

aus der Branche

"von McKinsey"

kostenoptimiert

wachstumsoptimiert

rentable Umsätze

hohe Rendite durch Verkauf oder IPO

 

Natürlich polarisiert diese Tabelle ein wenig - denn nicht jeder Online-Pureplayer wird zwangsweise von Investoren getrieben und arbeitet tiefrot. Auch wenn sich dieser Eindruck durch Unternehmen wie Zalando sicherlich verfestigt. Steht doch bei den Berlinern allein für das Geschäftsjahr 2010 ein Jahresfehlbetrag von -20 Mio. Euro in der Bilanz.

Pinterest: Mehr Hype als Phänomen

20.02.12 von Stephan Meixner

Facebook war gestern, Pinterest ist heute: Dieser Eindruck verfestigt sich jedenfalls schnell, wenn man in diesen Tagen durch die Blogosphäre surft. So spricht aktuell kaum jemand noch darüber, wie sich 20 Mio. aktive Facebook-Mitglieder in Deutschland für Online-Händler monetarisieren lassen. Warum auch? Schließlich gilt nun das US-Portal Pinterest als das kommende Social-Commerce-Phänomen.

Worauf aber basiert dieser Hype? Am Ansatz der Plattform selbst kann es eigentlich kaum liegen, denn wirklich revolutionär ist das Konzept von Pinterest nun wirklich nicht:

 Pinterest ist ein soziales Netzwerk, in dem Nutzer Bilder-Kollektionen mit Beschreibungen an virtuelle Pinnwände heften können. Diese können öffentlich oder privat abgespeichert werden. Die Idee hinter Pinterest ist der gemeinsame Austausch über verschiedene Hobbys, Interessen und Einkaufstipps mithilfe virtueller Pinnwände. Pinterest wird von einem Team aus Palo Alto geleitet.

Zum Vergleich: Das US-Portal Fashiolista zielt in eine ähnliche Richtung, auch das Münchner Start-Up Stylight verfolgt einen vergleichbaren Ansatz. Pinterest ist damit zunächst nur ein weiteres Empfehlungsportal, auf dem Nutzer beispielsweise Produktfotos aus Online-Shops erneut veröffentlichen und einer Community präsentieren können.

Dennoch wächst das Portal spürbar, wie Traffic-Zahlen von Google Trends nahelegen. Als Grund dafür nennen viele Internetnutzer, dass sich Pinterest schlichtweg einfach und angenehm nutzen lässt:

Das Geniale an Pinterest ist u.a. die ansprechende Optik, die Wirkung der Fotos und Videos auf der Seite und die Einfachheit, Inhalte zu entdecken und weiterzuempfehlen sowie sie mithilfe von “Boards” zu organisieren. Es sind bei solchen Web-Diensten eben auch die Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen. Denn am Ende geht es auch um den Aufwand der Nutzung.

Doch ist das wirklich so? Ich kann diese Auffassung nicht ganz teilen. Ein Beispiel: Sobald man sich anmeldet, muss man einige Interessen verraten (z.B. Kochen, Reisen, Lesen). Anschließend bekomme ich verschiedene Nutzer vorgeschlagen, die zu diesen Themen bereits Inhalte auf Pinterest veröffentlicht haben und damit für mich interessant sein sollten:

Ich darf aber nicht selbst wählen, von welchem dieser Nutzer ich künftig neue Postings sehen möchte - denn Pinterest abonniert automatisch alle Inhalte für mich:

Ebenfalls durchwachsen ist das Social-Sharing-Konzept: Wer Bilder von Dritten einfach auf einer Web-2.0-Plattform veröffentlicht, verletzt damit das Urheberrecht. Pinterest versucht diesen Fallstrick zu umschiffen, indem Bilder nicht direkt auf der Plattform eingebunden werden, sondern von fremden Servern abgerufen werden. Nach Einschätzung von Rechtsanwalt Carsten Ulbricht lassen sich Probleme mit dem Urheberrecht für Nutzer dennoch nicht ausschließen. Allerdings  räumt er auch ein, dass das Risiko eher gering ist - schließlich sei noch kein Nutzer solcher Sammeldienste bisher in Anspruch genommen worden

Eigentlich sollten sich Online-Händler auch darüber freuen, wenn Kunden schon von sich aus über ihre Produkte sprechen und Artikelfotos auf Pinterest veröffentlichen. Problematisch könnte es allerdings werden, wenn Kunden offizielle Herstellerfotos auf Pinterest verbreiten (gut vorstellbar, dass Marken hier weniger relaxt reagieren). Unabhängig von rechtlichen Aspekten stellt sich aber spätestens hier die entscheidende Frage: Warum sollten Nutzer überhaupt Fotos von Produkten auf Pinterest veröffentlichen?

Viele Händler haben jedenfalls bereits schmerzhaft bei F-Commerce-Aktivitäten erfahren müssen, dass Nutzer vor allem "virale" Produkte im Social Web thematisieren (Gadgets, Superschnäppchen, Gruppenangebote). Warum sollte das bei Pinterest plötzlich anders sein? Dass Nutzer eventuell einmal für Pins über Affiliate-Links entlohnt werden, macht es auch nicht besser. Bezahlte Links killen jede Community - schließlich empfiehlt mir jemand Artikel, um etwas zu verdienen und nicht um mir zu helfen.

Als Vorteil von Pinterest gilt zudem, dass sich Nutzer über die verschiedensten Themen in Boards unterhalten können. Aber seien wird doch ehrlich: Wer etwa eine Hochzeit planen will, ist bei einem Nischenportal wie Hochzeitsplaza besser aufgehoben. Nicht zuletzt, da es dort auch bereits eine starke deutschsprachige Community gibt. Auch SEO-technisch dürften spezialisierte Angebote im Vorteil sein.

Vielleicht mag Pinterest hierzulande ja tatsächlich bedeutender als Twitter werden. Eine Auszeichnung ist das aber nicht. Denn bei gerade einmal einer halben Million aktiver Twitterati in Deutschland ist die Relevanz des Micro-Blogging-Dienstes für die meisten Händler ebenfalls überschaubar. 

Mein Fazit: Dass Pinterest die digitale Avantgarde begeistert, kann ich verstehen. Dass Pinterest ein Massenphänomen wird, bezweifle allerdings auch ich - lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

Best Practice: Staples optimiert US-Shop für das iPad

13.02.12 von Stephan Meixner

Während hierzulande fast alle Versender in eine native App für das iPad investieren, geht B2B-Versender Staples in den USA - als einer der ersten Online-Händler überhaupt - nun andere Wege:

Staples Inc. will launch a web site designed exclusively for tablet computer users early next week. Consumers who try to access Staples.com using a tablet will automatically be routed to the tablet site, which will exist at t.staples.com, the company says.

 

The tablet design is different than the regular Staples.com site. There, the core categories noted above are the first three categories listed among more than 20 that appear in the left-hand navigation. When hovered over with a mouse cursor, those categories also use flyout windows to show dozens of subcategory options. The tablet site had to be different because tablet touchscreens don’t register hovers.

Consumers will be able to navigate to popular product categories on the site from the home page quickly by tapping on oversized visual images or drop-down menus with large areas to tap so fat-fingered consumers don’t mistakenly tap an option they don’t want.

The tablet site is purposely designed to keep customers from having to type anything because the touchscreen keyboard, when expanded, takes up nearly half the screen size on most tablets and Vermana says that’s valuable real estate. “Consumers should be able to navigate throughout the site without the keyboard coming up,” Vemana says.

 

 Gerade die Pop-Over-Fenster vermitteln beim Shoppen das Gefühl, es mit einer "richtigen" iPad-App zu tun zu haben. Allerdings zeigt sich bei näherem Hinsehen noch Verbesserungspotenzial an der ein oder anderen Stelle. Während die Homepage punktgenau auf das iPad-Display zugeschnitten ist, wurden Produktdetailseiten kurioserweise nicht fürs Tablet optimiert und am unteren Seitenrand wieder abgeschnitten: 

 

 

 

Wer seinen Online-Shop ebenfalls für den Zukunftsmarkt Tablet Commerce rüsten will, sollte sich die iPad-Seite von Staples unbedingt einmal genauer anschauen. Einfach den US-Shop auf dem iPad aufrufen oder t.staples.com in die Browserzeile tippen.

Vielen Dank an Alexander Ringsdorff für den Hinweis auf den Staples-Shop!

Tablet-Commerce: Wieso die neue Arqueonautas-App so begeistern kann

30.01.12 von Sebastian Meixner

Zugegeben: Der Name 'Arqueonautas' ist ein Zungenbrecher und auch für dieses Posting musste ich die Marke googlen, da ich mir die Schreibweise immer noch nicht einprägen konnte. Die brandneue iPad-App des Textilanbieters (s. Pressemeldung) dagegen werde ich so schnell nicht vergessen.

Die meisten Tablet-Apps bestehen bislang aus recycelten PDF-Katalogen, was unter Innovationsgesichtspunkten schlichtweg ein Desaster ist. Rühmliche Ausnahmen aus deutschen Landen sind die iPad-App von Manufactum und die kürzlich veröffentliche Anwendung von Globetrotter. Bei dieser gefällt mir besonders, dass sich ein Versender tatsächlich einmal traut, das Flipboard-Prinzip für den Handel zu adaptieren. Leider aber geht dieser Ansatz recht schnell in einer durchwachsenen Usability verloren.

Von vorne bis hinten durchkomponiert und wie aus einem Guss wirkt dagegen die App von Arqueonautas:

Einzelne Sortimentsseiten sind wie die Foto-App von Apple konzipiert.

Über einen Kompass lässt sich das Sortiment auf Wunsch eingrenzen.

Auf Artikeldetailseiten wird sofort klar, wie viele weitere Fotos es gibt und wie sich der Artikel ordern lässt.

Artikelfotos lassen sich auf die gesamte Display-Größe zoomen, verpixeln dabei aber leider.

Der Checkout dagegen wirkt wieder klar und aufgeräumt, bestellt wird direkt über die App.

 Was also lehrt die Arqueonautas-App? Ich denke, die folgenden drei Punkte:

  • Weniger ist mehr:
    Es braucht keine ungewöhnlichen Features, um einen Mehrwert zum klassischen Shop zu bieten. Das kann auch eine herausragende Usability schaffen.
  • Fotos, Fotos, Fotos:
    Das iPad ist ein digitaler Bilderrahmen. Wer viel Geld in teure Fotos investiert, sollte diese in Tablet-Apps in den Mittelpunkt rücken.
  • Auf Apple-Apps achten:
    Wer tolle Apps bauen will, muss nur gelernte Navigationsmuster aus offiziellen Apple-Apps klonen. Das Fotoalben-Feature in der Arqueonautas-App ist jedenfalls mein Highlight.

Natürlich bietet auch die Arqueonautas-App noch Verbesserungspotenzial. Ein Landscape-Modus beispielsweise fehlt. Die Icons für Männer/Frauen in der linken Navigationsleiste wirken etwas komisch. Und die Inhalte aus dem Arqueonautas-Magazin sind nur in Teilen für das iPad optimiert. Dennoch gilt: Hut ab vor dieser Leistung!

E-Commerce 2020: Alles Amazon, oder was?!

20.01.12 von Stephan Meixner

Amazon thront bereits seit geraumer Zeit an der Spitze unserer Top 100 des Deutschen Versandhandels. Und seit dem vergangenen Weihnachtsgeschäft dürfte der E-Commerce-Riese seine Nachfolger noch deutlicher in die Schranken verweisen als bislang, wie Thorsten Boersma prognostiziert:

2011 wird Amazon konservativ hochgerechnet weltweit 48,2 Mrd. US-$ oder rd. 35 Mrd. Euro Umsatz machen. Wenn man den Umsatzanteil von Deutschland aus dem letzten Jahr fortschreibt, wird der Umsatz von Amazon Deutschland in 2011 dann rd. 3,85 Mrd. Euro betragen. Das bedeutet: Der Umsatz von Amazon in Deutschland dürfte im Jahr 2011 um etwas mehr als eine Milliarde Euro gewachsen sein.

Zum Vergleich: Aktuell liegt Amazon mit rund 2,8 Mrd. Euro auf Platz eins, ärgster Verfolger ist Otto mit 2,1 Mrd. Euro Umsatz. In diesem Jahr dürfte sich die Kluft zwischen den Beiden weiter vergrößern, auch weil für viele aus der Branche inzwischen E-Commerce und Amazon schlichtweg dasselbe ist:

Fragt man Mitarbeiter großer, deutscher Online-Händler wo sie persönlich am häufigsten einkaufen, bekommt man fast immer die gleiche Ansage: “Bei Amazon!” Oft sind die Ansprechpartner noch nicht einmal peinlich berührt, weil sie Produkte aus dem eigenen Angebot dort nicht erwerben. Überträgt man dieses Prinzip auf das Gross der anderen, erklärt sich schnell warum Amazon fast in jedem Bereich unumstrittener Marktführer ist, bei Büchern sogar mit einem 90%igen Marktanteil.

Entsprechend düster erscheint zunächst die Zukunft des interaktiven Handels:

Laut einer Studie „E-Commerce-Markt Deutschland 2011“ des Handelsinstitut EHI zusammen mit dem Marktforscher Statista werden auch in Deustchland die Top10 immer größer und allen voran schreitet Amazon. Aber selbst dort oben wird die Luft dünner. Der deutsche Megakonzern Otto, der übrigens trotz seines viel höheren Alters deutlich kleiner als Amazon ist, aber auch eBay oder der Neckermann Konzern werden um zukünftige Marktanteile erbitterte Kämpfe ausführen müssen.

Tatsächlich braucht es im Internet-Zeitalter nicht unzählige Universalversender, wenn ein Großer sein Geschäft perfektioniert. Wie aber soll die Konkurrenz auf Amazons Ausnahmestellung reagieren? Die auf Conversion-Optimierung spezialisierte Agentur Web Arts empfiehlt, bei Amazons Schwachstellen anzusetzen:

Amazon ist tatsächlich ganz schlecht in Sachen eMail-Marketing, hier schießt man mit sehr viel Schrot auf viele Spatzen, andere Retailer können das deutlich besser und professioneller. Auch bei komplexeren und erklärungsbedürftigen Produkten und bei Kundenbindungsprogrammen muss Amazon aufholen. Auch überall da, wo man sich ein Produkt sinnvoll und individuell zusammenstellen muss, ist Amazon deutlich überfordert. Die schiere Fülle an Produkten und die durchaus komplexen Tools und Möglichkeiten machen Amazon zudem nicht gerade zu einem Leuchtfeuer der Gebrauchstauglichkeit."

Das sind sicherlich alles Punkte, über die man diskutieren kann. Aber sind ausgeklügeltes E-Mail-Marketing, Mass Customization und eine überragende Usability wirklich Wunderwaffen? Wenn Amazon eine Riesen-Auswahl, schnelle Lieferungen und guten Kundenservice in den Ring werfen kann? Es wird wohl kaum reichen, etwas am Frontend zu schrauben - eine Anti-Amazon-Strategie muss tiefschürfender sein.

Wie sieht Ihr Ansatz aus?

"90-Minutes-Delivery": Entscheidet die Logistik über die Zukunft des E-Commerce?

05.01.12 von Stephan Meixner

Wer in Großbritannien bei Coast, Oasis oder Warehouse bestellt, sichert sich einen netten Vorteil. Mit ein wenig Glück kommt das Paket mit der heiß ersehnten Ware nämlich schon binnen 90 Minuten beim Kunden an. Möglich macht das eine Kooperation mit Logistik-Dienstleister Shutl, der mit seinem Konzept in UK zunehmend für Furore sorgt (PDF):

Aurora Fashions, the group behind some of the UK’s most respected women’s fashion brands - Coast, Oasis and Warehouse – is launching 90 minute deliveries across all its brands in five new cities across the UK, becoming the first fashion retailer to do so.

The service allows customers to order and receive their fashion items within as little as 90 minutes by selecting this option at the checkout on the brands’ websites. The regional roll-out follows a successful three-month pilot in London where 91% of orders were delivered in under 90 minutes. The fastest fulfilment was just 16 minutes to an address in Central London. The service launched for the first time in August.

Das Prinzip: Shutl snychronisiert über APIs die E-Commerce-Plattformen von Retailern mit den Bestandsdaten von lokalen Kurierdiensten (die technischen Details hat Shutl anschaulich in diesem PDF zusammen gefasst). Wenn Kunden dann bei einem der teilnehmenden Handelspartner ordern, bekommen sie die Ware auf Wunsch in einer 90-Minuten-Lieferung.

Diese kostet zwar ein wenig mehr: Oasis beispielsweise berechnet 9,99 Pfund statt der üblichen 2,99 Pfund für die übliche Standardlieferung. Unterm Strich sollen das Händler aber durch zufriedenere Kunden, höhere Umsätze und mehr Impulskäufe locker ausgleichen können:

Hierzulande bietet der Karlsruher Logistik-Dienstleister Gaxsys ein ähnliches System an. Während aber Shutl auch Online-Pureplayer adressiert, richtet sich Gaxsys in erster Linie an Hersteller, die bei ihrer Online-Strategie den lokalen Fachhandel nicht verprellen möchten:

Bei einer Bestellung - beispielsweise im Ricosta-Onlineshop - wird die Order im Backend dann Fachhändlern angeboten, die sich in der Nähe der Lieferadresse befinden. In Testgebieten wird bereits mit lokalen Fahrrad-Kurierdiensten geliefert. Man darf gespannt sein, wie sich der Service in Zukunft entwickeln wird. Potenzial jedenfalls steckt in Shutl & Co. auf jeden Fall.

News 1 bis 10 von 527

Tweets

11.05.2012 09:35

Suche für die kommende Spezialausgabe des @VH_Berater noch Gastbeiträge zu Video-Mails, Lifecycle-Mails und Trigger-Mails.

03.05.2012 15:05

Bin den Rest der Woche mit der #Otto Group in Brasilien unterwegs und daher nur ab und an per E-Mail erreichbar.

27.04.2012 13:16

#Neckermann plant angeblich massiven Stellenabbau:http://t.co/Skii4bQz

27.04.2012 11:58

Danke :-) RT@jkrisch: Zalando vs. Otto: http://t.co/sfGu302A tolle Doku eines Zalando-Vortrags von @stephanmeixner und @VH_Berater

23.04.2012 10:18

Diese Woche im @VH_Berater : Programm "Fokus" - alle Fakten zum Restruktierungsprogramm von #Otto - und was Branchen-Kenner davon halten.

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