Auch oder mehr?
Eigentlich hat Steve Ballmer es richtig gemacht: Warum sollte Microsoft auch einen Tablet-PC entwickeln? Weil Apple einen hat? Oder Google? Oder weil Amazon den Kindle aufbohrt?
Trotzdem hat Steve Ballmer früh in diesem Jahr eine ausgesprochen schlechte Figur gemacht. Die Ankündigung, jetzt auch ein Telefon zu entwickeln, ist ein Schritt in die falsche Richtung.
Anders gefragt: Wann hat Microsoft das letzte Mal eine echte Innovation geliefert - eine, die für die Nutzer einen konkreten Mehrwert geliefert hat? Vermutlich die Office-Suite. Der Internet-Explorer hat nur durch die obligatorische Einbindung in das Betriebssystem seine führende Rolle als Online-Browser. Firefox, Chrome, Opera - überall sind die Konkurrenz-Systeme besser. (Innovativ ist das Silverline-Konzept, das allerdings weniger den Endkunden als zunächst Firmenkunden vorgestellt wird.)
Microsoft ist nicht Google und hat kein Geschäftsmodell für Suche und Informationsverarbeitung. Microsoft ist auch nicht Apple mit einem Geschäftsmodell, das proprietäre Endgeräte mit proprietärer Software und proprietären Plattformen kombinieren könnte. Und Microsoft ist kein Handelskonzern wie Amazon, der mit dem Kindle die Wertschöpfung für sein Kern-Angebot perfektioniert.
Was ist also Microsoft? Wer als langjähriger MS-Kunde auf einen Mac umsteigt, „entlernt“ innerhalb weniger Monate. Auch unter Windows 7 ist Installation und Management der Hard- und Software-Komponenten umständlich. Anders hingegen die Office-Suite: Die hat im Büroalltag unschlagbare Vorzüge gegenüber Apples „Writer“ und „Numbers“, allerdings ist PowerPoint eine Lachnummer gegenüber „Keynote“. Eine sichere Bank ist das freilich nicht: Ich nutze MS-Office nicht mehr, seitdem OpenOffice die Mac-Programme ergänzen kann. Auch meine Frau hat auf dem neuen Win7-Notebook nur die Linux-Programme installiert. Auch deshalb, weil ihr (öffentlicher) Arbeitgeber nur noch OpenSource-Programme einsetzt.
Was immer Microsoft rund um seine Desktop-Programme anfasst, hat gewaltige Bedeutung für Millionen oder Milliarden Nutzer weltweit. Dass dies für mobile Endgeräte durch Windows Phone als Betriebssystem oder Windows-Handys sich wiederholen würde, ist nicht zu erwarten.
Sinnvoll wäre es für Microsoft, seine Software wie derzeit schon begonnen in die Cloud zu verlagern. Ziel muss die optimale Zugänglichkeit von allen Plattformen aus sein. Hier gibt es starke Vorbehalte gegenüber der Google-Aktivitäten, und MS könnte die „Sicherheit“ nach vorne stellen.
Mehr von dem, was die Nutzer an MS-Programmen schätzen, weniger Bugs dabei. Und nicht noch ein "Auch"-Ansatz mit dem Anspruch, der neue Standard zu werden. Der Zug ist abgefahren.
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