Conley's, der Pub und das Gesetz der Streckenbewirtschaftung
Gestern schickte mir mein Ex-Kollege Olaf Groß, heute Redakteur bei iBusiness, einen Link zu einem aufblasbaren Irish Pub. (Danke dafür!) Gefunden im Katalog von Conley's. Ein kleines Lehrstück über die Streckenführung in Katalog - und Onlineshop.

Zunächst Mal zu den Rahmendaten: Der Pub ist 14,7 Meter lang, 7 Meter breit und mehr als 8 Meter hoch. Platz genug für 20-25 Personen. Gewicht: 750 kg. Kostenpunkt: 39.000 Euro.
Der weltweit erste aufblasbare Pub, von AMBER IRIS. Zum Feiern und Relaxen an einem einzigartigen Ort mit typischem Country-Pub-Feeling! Der Pub hat - wie sein Vorbild, der traditionelle englische Pub - im Inneren Details wie eine nachempfundene Kaminecke und Steinmauer. Sie können den Pub im Innenraum nach Belieben einrichten und gestalten.
Solche Produkte dienen im Versandhandel nur einem Zweck: Der Aufmerksamkeit. Otto hatte früher den Rücktitel in seinem "Post-Shop"-Katalog für entsprechenden Produkte, z.B. Luftkissenfahrzeuge oder Porsche Speedster-Bausätze, geopfert. In Amerika gibt es die Weihnachtskatalog von Neiman Marcus mit ähnlich kuriosen Produkten.
Conley's hat immer wieder solche Artikel im Sortiment. Wenn man durch den Katalog blättert, bleibt man plötzlich dort hängen. Die Aufmerksamkeit, schon etwas am abklingen, ist auf einmal wieder geweckt. Die gegenüberliegenden Seiten oder Produkte direkt im Umfeld haben eine größere Verkaufschance.
Und im Onlineshop?
Da findet sich der Pub in der Kategorie "Cool Stuff". Mit Preziosen wie dem "fliegenden Auto" zum Preis von 250.000 Euro, für das der Investor überhaupt erst gefunden werden muss. Oder einem mobilen Herren-WC für 9 Euro.
So logisch das Produkt in die Katalog-Dramaturgie gehört und dort ganze Arbeit leistet, so verloren ist es momentan in der Shop-Konzeption.
Conley's könnte hier vielleicht auf eine stärker redaktionelle Kundenbindung setzen. Die Hamburger haben einen Namen dafür, den modischen Trend zu setzen. Kultig sind die Reportagen von den exotischen Katalog-Shootings, die inzwischen auch als "Online-Magazin" eingesetzt werden.
Da die Crew seit kurzem auch twittert, ist ein guter Start gesetzt. In Blogs und Tweets werden solche eyecatcher gerne weitergegeben. Flickr wäre eine zusätzliche Plattform. So würde das Produkt ganz anders funktionieren als im Katalog, aber mindestens so wichtig werden: Als Lockstoff für neue Interessenten und als Grund für die locker verbundenen Kunden, mal wieder im Shop vorbeizusehen.
Nebenbei: Dann könnte auf den Produktseiten noch etwas mehr Rückführung ins Sortiment passieren. Aber das kann ja noch werden...
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