Das Neue im Alten
Der US-Shoppingclub HauteLook hat jetzt einen traditionellen Schuhclub mit Abnahmeverpflichtung gegründet. Sozusagen Bertelsmann für die Füße. Und ehemalige MyFab-Manager machen MyFab für Heimtextil - nur ohne Voting. Volte rückwärts?
Der neu gestartete Onlineshop urbanara.de der Ex-MyFabs lockt einerseits mit kompromissloser Qualität, andererseits mit Preisvorteilen von bis zu 60 %. Diese sind angeblich durch das MyFab-Konzept der Auftragsfertigung unter Ausschluss aller weiteren Handelsstufen möglich. Sprich: urbanara.de lässt erst anfertigen, wenn Aufträge vorliegen. Die Lieferzeit liegt allerdings nur bei 1-2 Wochen, statt 4-5 Monaten. Der Internet World Business sagte Gründer und Geschäftsführer Benjamin Esser:
"Wir haben das Grundkonzept von myfab aufgegriffen. Allerdings mit einem für das Businessmodell der On-Demand-Produktion passenderen Produktsortiment und einigen Learnings im Gepäck."
Und das heißt dann: Kein Social Commerce. Kein Voting und weniger Druck durch Verkürzung des Bestellzeitraums. Was bleibt, ist ein wenig emotionaler Shop mit einem wenig emotionalen Geschäftsmodell für ein wenig emotionales Produkt.
Großer Sprung in die USA: Dort hat der gerade von Nordstrom übernommene Shopping-Club HauteLook jetzt "solesociety.com" gegründet. Die Sohlen-Gesellschaft funktioniert nach dem klassischen Buchclub-Prinzip. Mitglieder erhalten jeden Monat online einen Bestellvorschlag diverser Schuhe zum Preis von weniger als 50 Dollar. Eine Abnahme-Verpflichtung gibt es nur dann, wenn die Mitglieder nicht bis zum Fünften jedes Monats mitteilen, dass sie passen.
Dass die SoleSociety eine Reihe angesehener Fashion-Blogger, Modejournalisten und Stylisten als Beiräte geholt hat, ist nur die halbe Miete. Neu ist, dass die Mitglieder eingangs ein Stylequiz durchlaufen, durch das der Club ein Modeprofil jedes Mitglieds erstellen kann.

Der Ablauf erinnert an den Like.com-Ableger covet.com. Allerdings ist auch dieser Ansatz nicht wirklich innovativ. Bertelsmann war schon Ende der 90er Jahre dazu übergegangen, seinen Mitgliedern aufgrund von deren Bestellverhalten individuelle Hauptvorschlagstitel zu unterbreiten.
Ich rätsele, ob diese Rolle rückwärts in den Geschäftsmodellen eher ein Zeichen für Ratlosigkeit ist, was man konzeptionell als Nächstes anfassen sollte. Oder im Fall von urbanara.de das Eingeständnis, dass ein Voting nicht wirklich zielführend ist, sondern für viele Sortimente ein klassischer Einkaufsprozess (zumindest in der Produktauswahl) erfolgreicher erscheint.
Vielleicht gelingt es ja, mit ohne alte Strukturen traditionelle Geschäftskonzepte neu zu interpretieren. Denn wirklich neu ist an Urbanara und SoleSociety nur, dass sie ihren Ursprung in 2.0-Unternehmen haben. Ob das reicht, wird sich zeigen.
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