Entre-, Intra-, Extrapreneure

Entre-, Intra-, Extrapreneure

Steve Blank hat einen bedenkenswerten Artikel über die vier Typen von Unternehmern geschrieben. Daran knüpfen sich strukturelle Überlegungen für "disruptive" Innovation im Versandhandel.

Blank unterscheidet zwischen "Small Business", "Scalable Startups", "Large Company Entrepreneurship" und "Social Entrepreneurs". Sicher gehen diese ineinander über, aber sie unterscheiden sich so sehr, dass es neben Gemeinsamkeiten doch auch substantielle Differenzen gibt:

Dem Versandhandel und seinem kaum zu ignorierenden Innovationsstau käme das dritte Modell am nächsten. Blank hat ein Chart dafür entwickelt:

Danach könnten Versandhändler neue Tochterunternehmen damit beauftragen, neue Sortimente oder Vertriebswege zu entwickeln.

Wenn ich nur einige Jahre zurückdenke, fallen mir einige solcher Ansätze aus der frühen Dotcom-Ära ein. So hat Conrad Electronic damals eine conrad.com AG gegründet, fernab vom Geschäft, mit eigenem Vorstand und Sitz. Dabei gab es einen Plan A und einen Plan B. Plan A sah vor, das Geschäft mit den damals üblichen Skalen-Vorstellungen zu entwickeln, an die Börse zu bringen und so gutes Geld zu verdienen. Daran haben sich hervorragende Mitarbeiter wie der Vater des Onlinehandels bei Conrad, Stefan Grellert, oder der spätere Yahoo-Deutschlandchef Franz Dillitzer versucht.

Conrad.com war ein Pionier und hat damals einige Standards gesetzt. Im Prinzip wurde auch nach dem Scheitern von Plan A permanent weiter entwickelt, aber nun im Dienst des Stammgeschäfts. Nach dem letzten Relaunch hat Conrad wiederum einen ansehnlichen, gut funktionierenden Shop. Und wie man weiß, kann das Unternehmen in einigen (und wohl mehr und mehr) Ländern auch vom dicken Katalog abrücken.

Dennoch fragt sich, ob das Internet außerhalb von Conrad nicht wirklich "disruptive Innovation" geleistet hätte. Das mindert in keiner Weise die Verdienste und Leistungen der jetzigen Crew. Die, die ich kenne, sind Intrapreneure im besten Sinne des Wortes. Aber als "Extrapreneure" würden Sie sich vielleicht nicht als Verteidiger, sondern als Angreifer verstehen und rücksichtslos mit neuen Modellen an die Grenzen gehen. (Ein ähnliches Beispiel war winegate.com, das E-Commerce-Startup von Hawesko.)

Dass heute die Innovation vor allem von außerhalb kommt, sollte ein Aufruf an die Versender sein, es wieder einmal mit "Extrapreneuren" zu versuchen. Und ihnen Zeit zu geben.

 

 

 

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