Größen-Wahn
Am Tag der Markenrechts-Übernahme durch Otto hat Marc Sommer in der Süddeutschen seine und "Big T" Middelhoffs gescheiterte Redcats-Strategie erläutert. Wäre das die bessere Alternative gewesen?
Dass es Gespräche über Gespräche zwischen Redcats und Primondo gab, haben wir im Versandhausberater ja hautnah verfolgt und berichtet. Die Strategie, Arcandor als Paket zu verfolgen, war da sicher nicht hilfreich. Im Zuge des Insolvenz-Verfahrens setzte Sommer sich nochmal stark für eine Lösung Primondos und eine Verbindung mit der PPR-Versandsparte ein, berichteten damals Insider.
Zweifellos wäre eine gewaltige Spezialversand-Gruppe entstanden. Leider mit zwei schweren Bleiladungen, nämlich Quelle und La Redoute. Letzterer ist zwar noch immer (wie weiland Quelle) Frankreichs größter Universalist. Aber die Größe ist teuer eingekauft. Ein mageres EBIT in der gesamten Versandsparte lässt den PPR-Chef und Luxusmarken-Liebhaber Francois-Henri Pinault die Stirn runzeln. Während die Online-Pureplayer in Frankreich seit Jahren wachsen, hat La Redoute allein im dritten Quartal über 10 % Umsatz abgegeben.
Vor fast 20 Jahren hat sich die Quelle bewusst vom Warenhaus getrennt. Man wollte den Ballast abwerfen, weil man die Probleme des Warenhauses erkannt hatte. Dass 10 Jahre später für teures Geld die Entscheidung zurückgenommen wurde, hat damals schon viele vor den Kopf gestoßen. 1+1 kann vielleicht manchmal 2,5 ergeben, aber krank + krank + krank schafft noch keinen Kraftprotz.
Die Perspektive, zwei bedrängte Universalkonzepte mit einem Kranz großenteils ordentlich laufender Spezialversender zu umgeben, ist leider keine Zukunftsstrategie. Das hatte Otto in Hamburg erkannt und klar signalisiert, man werde sich künftig nicht mehr durch Zukäufe im Universalversand engagieren. Man spekuliert ja durchaus weiter über die Zukunft so manches anderen weiter südlich gelegenen Universalversandhauses.
PPRimondo hätte beiden Unternehmen lediglich Luft verschafft, den Ab- und Umbau des Versandhandels voranzutreiben. Für Investoren des "vom ersten Tag an börsennotierten Unternehmens" hätte es auf Jahre hinaus keine spektakulären Renditensprünge und auch keine dramatische Umsatzexplosion gegeben.
Man kann es auch so sehen: Zwei Tanker zusammen geben noch kein Rennboot. Sie brauchen, im Gegenteil, mehr Abstand zueinander, sind noch komplizierter zu navigieren und ziehen einen Konvoi auseinander. Sie Quelle und Neckermann. Das ist falsch verstandener Größen-Wahn. Eine Perspektive wäre gewesen, wenn David Goliath "übernimmt". Der hätte die Werte der Unternehmen gegen den Strich gebürstet und neu aufgestellt.
Das gilt nun auch für Otto und die Marke Quelle. Im Hause Quelle glaubt niemand, dass die Marke wirklich aktiv gehalten wird. Denn das würde eine hohe Investition vom Sortiment über die Kreative Ansprache bis zu den Service-Versprechen bedeuten. Da Otto sich auch alle Adressen der Quelle gesichert hat, wird er die Marke nicht entwickeln, sondern auswerten. Das ist auch deshalb anzunehmen, weil andere, sehr versierte Versandhändler über eine Investition in Quelle nachgedacht haben. Sie haben für die Fortführung als eigenständige Marke auch ohne Logistik einen mindestens dreistelligen Millionen Euro-Betrag taxiert. Und eigenes Personal in deutlicher Höhe.
Quelle@Otto ist ein Epilog, keine strategische Investition.
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