Location! Location!! Location!!!
Versandhändler müssen dringend darüber nachdenken, wie sie die zentrale Lieferung mit Services aufladen. Sonst geraten sie in einer zunehmend mobil verbundenen Gesellschaft ins Hintertreffen...
Dass Google in Amerika inzwischen Geschäfte im Umkreis einer Postleitzahl nennt, habe ich im Blog schon öfter berichtet. Vor Weihnachten hat der Dienstleister Milo.com einen vergleichbaren Service gestartet, der ein viel tieferes Wissen über die lokal verfügbaren Waren (also nicht nur gelistet, sondern tatsächlich vorrätig) hat.

(Auctionbytes hat sich hier mit Milo.com befasst.)
Damit fängt es aber erst an. Die "location-based services" und "enhanced reality" auf den neuesten Smartphones werden anfangs die Geeks, später aber mehr und mehr Shopper durch die Straßen steuern. Wenn Google unter Android automatisch eine Sortierung nach Preis und Nähe anbietet, und zwar aufgrund des GPS-Sensors, dann geht dem Versandhandel ein wesentliches Argument verloren - die Bereitstellung eines tiefen Sortiments.
Hier kehrt sich das Longtail-Prinzip um. Ein langer Schwanz an Spezialprodukten ist nicht mehr in tausenden von Onlineshops versammelt, sondern in den vielen Boutiquen in der Nähe des Kölner Neumarktes. Oder eben nicht bei Karstadt am Oberpollinger, sondern in vielen kleinen Läden drumherum.
Was antworten Versandhändler darauf?
Zum einen werden Versandkosten-Pauschalen dadurch lächerlich. Soll ich auch noch für das Warten bezahlen? Was "zahlt" der Versender MIR für meine Geduld? Er kann ja nicht mehr mit "keine langen Wege" oder "Bestpreis" punkten - da ist Google vor. Convenience? In spätestens 6 Monaten wird es Apps geben, die aufgrund einer Shopping-Liste einen optimierten Wege-Plan erstellen. Und zwar nach dem Motto der beste Preis zum geringsten Fersengeld.
Was also kann der Versender wirklich tun?
Er muss vermutlich "mehr" tun als nur liefern. Die Verpackung inszenieren, Goodies beilegen, einen Laufzeitvertrag für Vor-Ort-Wartung, Reinigungs-Services (auch für Kleider)... Das alles schneidet in die Margen.
Ein anderer Ansatz wäre eine komplette Neudefinition des Liefervorgangs. Netzwerk-Lieferungen vielleicht, um zumindest die Kosten der Lieferung zu vermeiden und zugleich eine Auspack-Party zu inszenieren. Sozusagen der Sammelbesteller in neuer Funktion. Shopping und Party in einem.
Wieder ein anderer Weg: Pop-up-Stores für kurzläufige Sortimente. Versender können immer noch einen großen Teil an Nachfrage inszenieren. Während des Haupt-Angebotszeitraumes gibt es Abverkaufsflächen in Ballungsräumen. Wichtig wird es, dort (wie bei Frontline) durch Internet-Terminals wenigstens die passenden Zusatzverkäufe zu ermöglichen. Hier wäre auch der Einsatz von Video-Shopping-Elementen wie zugara.com oder die von mir schon vorgestellten virtuellen Spiegel mit Shopping-Funktion möglich.
In jedem Fall braucht es deutlich mehr Kreativität, wenn die Distanz wieder zum Problem für Käufer wird...
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