Mitarbeiter, Angestellte, Associates
Die "Wirtschaftswoche" meldet heute, dass viele deutsche Unternehmen Facebook und andere Social Networks in Unternehmen nicht dulden. Der Hintergrund: Nicht nur Zeitverschwendung, sondern auch Angst vor Wirtschafstspionage. Dabei zeigt sich, dass die Firmen wie die Regierung ein altes "Stakeholder"-Konzept verfolgen.
Social Networks gehören heute für viele Menschen zum privaten Alltag. Aber der "Graph" ragt immer wieder in die Arbeitswelt hinein - um so mehr, wenn die Mitarbeiter bzw. Angestellten sich tatsächlich mit ihrer Aufgabe identifizieren. Dass sie sich mit anderen unterhalten, die ähnliche Interessen verfolgen, ist für jeden Arbeitgeber wünschenswert: Sie können ja genau so viel Wissen erwerben (oder noch mehr), wie sie bereit sind, eigenes Wissen zu teilen.
Es braucht also eigentlich kein Verbot von Facebook & Co, sondern einfach vernünftige Social Network-Policies. Wenn ein Kollege wissentlich dagegen verstößt, gibt es ein Regelwerk, um nötigenfalls dem Mitarbeiter zu kündigen und so weitere Risiken auszuschließen.
Meines Erachtens liegt das Problem aber an einem falschen bzw. nicht mehr richtigen Verständnis vom "Mitarbeiter". Der Begriff an sich ist (wie Journalisten stets auf den Weg gegeben wird) aus der Perspektive der Arbeitgeber gesetzt. Die Angestellten selbst sagen selten, sie seien Mitarbeiter bei Firma XYZ. Die Unternehmensführung gefällt sich allerdings auch darin, vom Mitarbeiter als wichtigstem Wert des Unternehmens zu sprechen.
Und hier kommt das Thema "Social Capital" auf den Tisch. Bislang konnten Unternehmen diesen nicht tangiblen Wert kaum einschätzen. Der Grad der Vernetzung der Mitarbeiter birgt für sie selbst, aber auch für ihr Unternehmen große Chancen. Besser denn je können die Firmen heute dieses Kapital nutzen. Sie sollten also eher die Vernetzung der Mitarbeiter fördern oder sogar fordern.
Aber das würde auch bedeuten, auf diese Kriterien besonderen Wert zu legen. Wann sehen wir (über die Marketing-Abteilung hinaus) endlich Stellenausschreibungen, in denen starke Netzwerk-Fähigkeit verlangt wird? Nicht zuletzt müssten die Firmen selbst in allen Abteilungen Social Networks pflegen und kultivieren. Die Synaxon AG ist eines der Unternehmen, die es können (ich habe dazu schon mehrfach geschrieben). Die Social Networks können gerade im B2B-Vertrieb ein Schlüssel für zukünftige Erfolge sein. Und im B2C-Marketing hält man so den Kontakt zu denjenigen, die eben NICHT die besten Kunden sind und ohnehin auf direkte Kommunikation reagieren. Sondern die eher am Rande stehen, aber nur über das Interesse an der Firma und seinen Mitarbeitern bzw. deren Knowhow erreicht werden können. Der direkte Erfolg steht also nicht im Fokus, sondern der langfristige. Im übrigen sind 98 % Mißerfolg bei direkten Werbesendungen kein Beleg dafür, dass das Engagement in Social Networks nicht sogar besser funktionieren könnte.
Hat man dann noch ein besseres Verständnis der "Mitarbeiter" nicht als Auftrags-Arbeiter, sondern als "Associates", also quasi Mit-Gesellschafter, dann würde das Risiko eines Geheimnisverrats ohnehin geringer. Denn wer will schon ein Unternehmen schädigen, an dem er selbst Anteile hat - faktisch und/oder vom Selbstverständnis her?
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Wie bei der Beziehung Unternehmen-Kunde der Kommunikationsfluss von einer Sender-Response-Linie zu einem gegenseitigem Austausch (also eher kreisförmig und gleichberechtigt) entwickelt, so wird beim Unternehmen der alte Befehlsdcutus Chef-Mitarbeiter weichen. Mitarbeiter werden ähnlich wie Kunden zu Teilhabern eines Unternehmens (mit allen Rechten aber auch Pflichten).
Management ist dann nicht mehr die Vorgabe klarer Ziele und Strategien, die dann operativ abgearbeitet werden, sondern das Schaffen eines Umfeldes indem sich die Mitarbeiter bestens entfalten kann.
Ich glaube: Der größte Wert eines Unternehmens ist nicht das Wissen der Mitarbeiter, sondern deren eigene (intrinsische) Motivation dieses Wissen auch anzuwenden. Die neue Arbeitswelt braucht motivierte Mitarbeiter und Motivation ensteht nicht durch Bonis (wie z.B. in der Finanzwelt) und stärkerer Regulierung der Mitarbeiter (wie nun mit Facebook und Co.).
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