Pinterest: Mehr Hype als Phänomen
Facebook war gestern, Pinterest ist heute: Dieser Eindruck verfestigt sich jedenfalls schnell, wenn man in diesen Tagen durch die Blogosphäre surft. So spricht aktuell kaum jemand noch darüber, wie sich 20 Mio. aktive Facebook-Mitglieder in Deutschland für Online-Händler monetarisieren lassen. Warum auch? Schließlich gilt nun das US-Portal Pinterest als das kommende Social-Commerce-Phänomen.
Worauf aber basiert dieser Hype? Am Ansatz der Plattform selbst kann es eigentlich kaum liegen, denn wirklich revolutionär ist das Konzept von Pinterest nun wirklich nicht:
Pinterest ist ein soziales Netzwerk, in dem Nutzer Bilder-Kollektionen mit Beschreibungen an virtuelle Pinnwände heften können. Diese können öffentlich oder privat abgespeichert werden. Die Idee hinter Pinterest ist der gemeinsame Austausch über verschiedene Hobbys, Interessen und Einkaufstipps mithilfe virtueller Pinnwände. Pinterest wird von einem Team aus Palo Alto geleitet.
Zum Vergleich: Das US-Portal Fashiolista zielt in eine ähnliche Richtung, auch das Münchner Start-Up Stylight verfolgt einen vergleichbaren Ansatz. Pinterest ist damit zunächst nur ein weiteres Empfehlungsportal, auf dem Nutzer beispielsweise Produktfotos aus Online-Shops erneut veröffentlichen und einer Community präsentieren können.
Dennoch wächst das Portal spürbar, wie Traffic-Zahlen von Google Trends nahelegen. Als Grund dafür nennen viele Internetnutzer, dass sich Pinterest schlichtweg einfach und angenehm nutzen lässt:
Das Geniale an Pinterest ist u.a. die ansprechende Optik, die Wirkung der Fotos und Videos auf der Seite und die Einfachheit, Inhalte zu entdecken und weiterzuempfehlen sowie sie mithilfe von “Boards” zu organisieren. Es sind bei solchen Web-Diensten eben auch die Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen. Denn am Ende geht es auch um den Aufwand der Nutzung.
Doch ist das wirklich so? Ich kann diese Auffassung nicht ganz teilen. Ein Beispiel: Sobald man sich anmeldet, muss man einige Interessen verraten (z.B. Kochen, Reisen, Lesen). Anschließend bekomme ich verschiedene Nutzer vorgeschlagen, die zu diesen Themen bereits Inhalte auf Pinterest veröffentlicht haben und damit für mich interessant sein sollten:
Ich darf aber nicht selbst wählen, von welchem dieser Nutzer ich künftig neue Postings sehen möchte - denn Pinterest abonniert automatisch alle Inhalte für mich:
Ebenfalls durchwachsen ist das Social-Sharing-Konzept: Wer Bilder von Dritten einfach auf einer Web-2.0-Plattform veröffentlicht, verletzt damit das Urheberrecht. Pinterest versucht diesen Fallstrick zu umschiffen, indem Bilder nicht direkt auf der Plattform eingebunden werden, sondern von fremden Servern abgerufen werden. Nach Einschätzung von Rechtsanwalt Carsten Ulbricht lassen sich Probleme mit dem Urheberrecht für Nutzer dennoch nicht ausschließen. Allerdings räumt er auch ein, dass das Risiko eher gering ist - schließlich sei noch kein Nutzer solcher Sammeldienste bisher in Anspruch genommen worden.
Eigentlich sollten sich Online-Händler auch darüber freuen, wenn Kunden schon von sich aus über ihre Produkte sprechen und Artikelfotos auf Pinterest veröffentlichen. Problematisch könnte es allerdings werden, wenn Kunden offizielle Herstellerfotos auf Pinterest verbreiten (gut vorstellbar, dass Marken hier weniger relaxt reagieren). Unabhängig von rechtlichen Aspekten stellt sich aber spätestens hier die entscheidende Frage: Warum sollten Nutzer überhaupt Fotos von Produkten auf Pinterest veröffentlichen?
Viele Händler haben jedenfalls bereits schmerzhaft bei F-Commerce-Aktivitäten erfahren müssen, dass Nutzer vor allem "virale" Produkte im Social Web thematisieren (Gadgets, Superschnäppchen, Gruppenangebote). Warum sollte das bei Pinterest plötzlich anders sein? Dass Nutzer eventuell einmal für Pins über Affiliate-Links entlohnt werden, macht es auch nicht besser. Bezahlte Links killen jede Community - schließlich empfiehlt mir jemand Artikel, um etwas zu verdienen und nicht um mir zu helfen.
Als Vorteil von Pinterest gilt zudem, dass sich Nutzer über die verschiedensten Themen in Boards unterhalten können. Aber seien wird doch ehrlich: Wer etwa eine Hochzeit planen will, ist bei einem Nischenportal wie Hochzeitsplaza besser aufgehoben. Nicht zuletzt, da es dort auch bereits eine starke deutschsprachige Community gibt. Auch SEO-technisch dürften spezialisierte Angebote im Vorteil sein.
Vielleicht mag Pinterest hierzulande ja tatsächlich bedeutender als Twitter werden. Eine Auszeichnung ist das aber nicht. Denn bei gerade einmal einer halben Million aktiver Twitterati in Deutschland ist die Relevanz des Micro-Blogging-Dienstes für die meisten Händler ebenfalls überschaubar.
Mein Fazit: Dass Pinterest die digitale Avantgarde begeistert, kann ich verstehen. Dass Pinterest ein Massenphänomen wird, bezweifle allerdings auch ich - lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
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Du hast ja gar nichts verstanden
Pinterest ist in den USA auf Platz 18 der meistbesuchten Webseiten, zwischen CNN und PayPal und wird dort von weiblichen Nutzern dominiert.
Pinterest ist kein Empfehlungsportal und schon gar kein "weiteres". Es ist erstmal ein Bildersammel-, Bilderordnungs- und Bilder 'weiterzeig'tool. Es ist auch nicht in erster Linie für Produktfotos, es wird nur dafür benutzt, dazu später mehr.
Man verdient nicht durch Affilatelinks auf Pinterest, da Pinterest diesen Weg für die eigene Refinanzierung nutzt. Sondern man bekommt Google Backlinks und direkten Traffic auf seinen Shop.
Anmeldung
Was Du als Fehler in der Anmeldung beschreibst, ist genau das Feature, dass Apple zur größten Firma der Welt hat werden lassen: Überflüssige Optionen weglassen, zu Gunsten einer besseren Nutzererfahrung.
Pinterest lotst Dich in 3 einfachen Schritten durch den Anmeldeprozess und vermeidet, dass man am Anfang vor einem leeren Board steht. Danach kannst Du selbst wählen, wem Du folgt oder entfolgst.
Urheberrecht
Es ist eine amerikanische Plattform wo das Fair-Use Prinzip gilt. Eine Marke, die einen internationalen Focus hat, wird nicht in Deutschland jemand verklagen, für etwas was im wichtigsten Markt der Welt erlaubt ist.
Das Wichtigste:
Warum werden dort Produktfotos geteilt?
Weil es dass ist, was Frauen gerne tun.
Sie schauen sich für Ihr Leben gern Produkte an!
Sie blättern gern in Katalogen, sie gehen gern Schaufensterbummeln (sogar, wenn die Geschäfte geschlossen sind!). Sie erzählen und zeigen gerne, was sie kaufen wollen oder gekauft haben. (Das gilt übrigens auch und besonders für Orte, liebe Reiseveranstalter :-)
Pinterest ist der virtuelle digitale Schaufensterbummel
Pinterest wird in den USA zu weit über 75 von Frauen genutzt.
Dass Du als deutscher Nutzer zuerst Gadgets sieht, liegt daran das Du und Deine Social-Media Horden die Plattform in Dtl. als Geisel genommen haben, bevor sich eine Nutzerbasis aus echten Menschen entwickeln konnte.
Nutzer unterhalten sich dort nicht in Boards, sondern die Bilder sind in Boards organisiert. Die Unterhaltung findet immer unter dem konkreten Bild (Produkt) statt.
Pinterest ist nämlich in erster Linie visuelle Kommunikation, wer das verschläft, wird sich später maßlos ärgern.
Willst Du mehr wissen, guckst Du rudimentor.de
Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass Frauen das Portal gerne nutzen. Ich denke aber nicht, dass externe Händler dieses Nutzungsverhalten so einfach monetarisieren können. Das funktioniert schon bei Facebook nicht, was mehr Mitglieder zählt und mehr Nutzen bietet. Pinterest soll deiner Meinung nach größer werden als Facebook? Also, sorry - das aber nun wirklich nicht. Ein nettes Nischenkonzept ist Pinterest aber sicher allemal...
es geht eben nicht um bookmarking, (hör auf maßstäbe vom internet von gestern anzulegen) es geht darum fotos zu sammeln und zu zeigen, dass ist, was normale menschen tun. Für Frauen ist ein Katalog in erster Linie ein riesiges Fotobuch.
Das das nicht monetarisiert wird, liegt einzig an der Unfähigkeit der alten händler zu verstehen was gerade passiert.
Gegenbeispiel :
Heinz (die mit dem Ketchup und inbegriff ein unsexy marke)
haben jeden 8. Facebookfan dazu gebracht, eine Dosensuppe zu kaufen. Eben nicht für sich, sondern für einen Freund, wenn der auf Facebook schreibt, dass man krank ist.
Die Suppen hießen getwell soup.
Das ist social commerce und wird riesig groß werden.
Wenn man denkt, man kopiert seinen Shop, der vorher schon nicht gut performt hat, einfach in FB rein und alles wird gut.. Tja
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