Quelle neu: USP, verzweifelt gesucht
Gerade bin ich über das Quelle-Video zum Relaunch gestolpert. Und frage mich, ob das wirklich alles sein soll?
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Vielleicht habe ich die Ironie ja nicht richtig verstanden. Aber macht man SO Lust darauf, den neuen Marktplatz kennenzulernen?
Mal dekonstruiert:
- "Quelle ist ein Marktplatz im Internet" - warum nicht gleich "noch ein" oder "einer von tausend"? Was ist denn hier der Anspruch? Was ist die Selling Proposition? Kann man nicht wenigstens versprechen: "Quelle ist DER Marktplatz im Internet"?
- "Stellen Sie sich vor: Sie finden Produkte ganz einfach auf quelle.de" - nein, ganz einfach finde ich Produkte bei Google, wie so etwa 90 % der Bevölkerung. Und wenn nicht da, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich sie einfach bei Amazon und eBay finde. Zumal eBay gerade seine Allround-Kompetenz mit Breitenwerbung zurückerobern will.
- "Jede Menge Preiswertes für Preisbewusste" - das ist kein Claim, das ist BS.
- "Quelle für Deutschland - quelle.de" - no comment.
Nur mal zur Erinnerung: Seit 18 Monaten schraubt man jetzt bei Otto an Konzepten für Quelle. 18 Monate, in denen der generische Traffic zusammengeschmolzen sein dürfte. 18 Monate, in denen die Erwartung an Quelle verblasst ist. Die Berge kreissten - und geboren ist "ein Marktplatz".
In der Bilanzpressekonferenz vor zwei Wochen war die klare Ansage: Der Marktplatz soll mittelfristig einen dreistelligen Millionen-Umsatz erreichen. Wohlgemerkt: Mit Hartwaren. Nun weiß der Versandhändler, dass Hartwaren alles sind, aber keine Frequenz-Themen. (Von Liveshopping-Angeboten mal abgesehen.) Damit legt sich die neue Quelle die Latte gleich noch ein Stück höher.
Warten wir also mal ab. Auf welche Kompetenz dürfen wir jetzt gespannt sein?
- quelle.de muss bis aufs i-tüpfelchen für Suchmaschinen optimiert sein.
- Gerade bei Hartwaren ist die Platzierung in Preisvergleichen unerlässlich.
- Der Anreißer "Preiswertes für Preisbewusste" stößt sich mit dem auf der Bilanzpressekonferenz angekündigten ausgesuchten Portfolio von Marken und Handelspartnern. Die Preiskommunikation und die Preis-Positionierung müssen auf den Punkt sitzen, sonst ist Quelle entweder die Partner los oder die Glaubwürdigkeit.
- Um für Frequenz zu sorgen, braucht der Marktplatz zudem Budgets für Display-Werbung - mit allem, was dazugehört: Re-Targeting, RTB, Affiliates... you name it. Vor allem aber auch Premium, denn man ist ja im "acquisition mode". Nutzerprofile gibt es noch nicht, um bei den Restplätzen noch genug rauszuholen.
Als Otto Quelle übernommen hat, sind viele am nächsten Tag verdutzt aufgewacht und haben sich zum ersten Mal gefragt, was man überhaupt mit der Marke anfangen will. Das Video spricht jedenfalls noch nicht dafür, dass man eine überzeugende Antwort gefunden hat.
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Was ich mir aber in der Tat schwierig vorstelle ist die Markenführung. Die Marke Quelle ist v.a. Bei den \"Alten\" Versandhandelskunden gut aufgehoben. Die neue Quelle richtet sich aber an eine völlig andere Zielgruppe (und das auch noch ohne Logo- Redesign).
Da man auch sieht dass die Stahlkraft der alten quelle.de v.a. Aus SEO- Sicht so gut wie weg ist, beginnt das Konzept eigtl. Bei Null.
Meiner Meinung nach keine guten Voraussetzungen für ein Ausrufezeichen im dt. Ecommerce.
Die Hamburger haben es (auch) nicht einfach, ich weiß, und ich zolle wirklich jedem Respekt, der in einem saturierten Katalogversender mit viel Mühe und Überzeugungskraft und gegen den Verschleißmoment total veralteter IT-Systeme an der eCommerce-Schraube dreht, aber wenn da nicht noch ein Wahnsinns-USP aus dem Hut gezaubert wird, dann wird das Quelle-Ding ein \"MeinPaket.de\" für Hartwaren.
Na denn mal tau.
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