Radikal anders: Wie Googles Boutiques.com das Modeshopping verändert
Im Vorfeld wurde viel um Google/like.coms Modeexperiment boutiques.com spekuliert. Herausgekommen ist weit mehr als eine Mode-Suchmaschine - sondern ein radikal anderer Ansatz, personalisiert Mode zu verkaufen. Wenn Google das Konzept konsequent weiter verfolgt, entlastet es damit überforderte männliche Modekäufer, und inspiriert dennoch die weiblichen Fashionistas.

Am Mittwoch hat Google sein Mode-Konzept boutiques.com vorgestellt, das einen neuen Zugang zu den Mode-Angeboten auf der Plattform erlaubt. Zum Einsatz kommt dabei die Technologie der kürzlich übernommenen Visual Shopping-Plattform like.com. Und in der Tat stellt boutiques.com das Mode-Shopping via Suchmaschine auf den Kopf.
Zwar kann man auf boutiques.com auch das komplette Sortiment nach Kategorien durchsuchen. Doch mit boutiques ist zum ersten Mal eine konsequent stil-orientierte Suche möglich. Dabei kann man sich entweder vom Stil anderer inspirieren lassen, oder aber man ermittelt mit Hilfe des like.com-Stylizers (ähnlich übrigens bei Conley‘s zu finden) die eigenen Vorlieben und erhält am ende die personalisierte „Boutique“.

Entscheidend ist, dass „Boutique“ hier nicht als fester Rahmen verstanden wird. Celebrities wie z.B. die Olsen-Zwillinge oder Sarah Jessica Parker haben eine eigene „Boutique“, die sich aus persönlichen „Favoriten“ zusammensetzt. Direkt darunter listet die Plattform aber mit Hilfe der like.com-Technologie Angebote, die vom Stil der Olsen-Boutique inspiriert sind (siehe das nachfolgende Bild). Eine „Heine-Boutique“ würde also neben den eigenen Favoriten ggf. auch ein Umfeld für Produkte von Madeleine schaffen.

Boutiques.com erlaubt die Empfehlungen dann nicht nur nach Farbe, Preis oder Designer, sondern auch nach Silhouette oder Muster zu filtern, und schließlich nach dem Store, in dem der Kauf stattfinden soll. Der Nutzer kann sich künftig an Heines Stil orientieren, dann aber ausschließlich Waren von Bonprix anzeigen lassen.

Damit noch nicht genug: Wenn man mit der Maus auf ein Produkt zeigt, werden zusätzlich zu der Produktbeschreibung, Preis und Shop-Link auch optisch und vom Schnitt her sehr „nahe“ Produkte angezeigt. Für die nötige Inspiration sorgen „Möglichkeiten, das Produkt zu tragen“ - bereitgestellt vom like.com-Ableger Couturious. Dort kann man Models mit Mode bekleiden und in unterschiedlichen Settings arrangieren (urban, ländlich, Berge, Seen...).



Google zeigt mit boutiques.com, wie weit man in einem referentiellen System kommen kann. Auf Wiedersehen, Sinus-Milieus und Gfk-Typologien. Auf Wiedersehen, Einkaufs-getriebene Style-Empfehlungen. Lebewohl, Scrollen und Blättern in Shops, die 80 % schräge Mode präsentieren, die nun wirklich nicht sein muss.
Stattdessen baut sich der Nutzer von einem einzigen Produkt oder einem einzigen Hero aus einen dynamischen, persönlich zugeschnittenen Mode-Kleiderschrank auf.
Bleibt die Frage: Wem nützt und wem schadet boutiques.com? Es nützt eindeutig dem Kunden. Es schadet den großen Anbietern, die mit eigener Onsite-Suchtechnologie hier ein deutlich schlechteres Erlebnis bieten. Sie können allerdings neue Kunden gewinnen, die beim Stöbern eher zufällig auf die Produkte aus dem jeweiligen Shop gestoßen sind. Letztlich fördert es aber die Entkoppelung von Kunde und Händler: Der Versender als Style-Guide, einer der großen Vorzüge des Impulsshoppings via Katalog, verliert eine weitere Kernfunktion.
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