Rethinking Retail
Mein Blogpost zum Multichannel hat eine interessante Fortsetzung bei XING gefunden. Danke besonders an Sieglinde Graf von da sempre und Josef Karl Udo Reisz vom Radhaus für die Praxis-Berichte. Und natürlich an Andreas Karafotias, den ich mit dem IKEA-Kommentar etwas gekitzelt habe... Doch wie steht es mit neuen Retail-orientierten Konzepten?
In Amerika gibt es ein paar Beispiele von Händlern, die mit zwei Geschwindigkeiten gezielt arbeiten. Zum Beispiel hat GAP in Los Angeles und New York sogenannte "rotating pop-up stores" entwickelt. Der New Yorker Store liegt direkt neben dem Flagship-Store an der Fifth Avenue, wird jedoch mit kurz laufenden Kollektionen bestückt, die zuweilen nicht mal von GAP selbst kommen. Das können z.B. Flip-Flops von Havaianas sein oder auch mal Designer-Ballkleider, die später versteigert werden:

Nike hat in London seinen 1948-Laden nicht wie üblich mit fixem Mobiliar ausgestaltet, sondern bewusst flexible Elemten geschaffen. So kann buchstäblich in wenigen Stunden eine vollständig neue Erlebniswelt entstehen. (1948 ist übrigens auch der Name des zugehörigen gedruckten Sport-Magazins von Nike.)

Wirklich beeindruckend ist, ebenfalls in London, Sarahs Supermarkt. Der Supermarkt besteht eigentlich nur aus einem Schaufenster (und, klar, dahinter einem kleinen Laden). Hier kann man aber wirklich von einem Multichannel-Konzept sprechen. Das Schaufenster ist ein Rahmen, der im Web "gekauft" werden kann. Dabei kommt einzigartige Schaufenstergestaltung aus der physischen Retail-Welt in direkten Kontakt mit der virtuellen Shop-Bühne.



Die Macherin ist mit diesem Ansatz berühmt geworden und gestaltet inzwischen ähnliche "Walls" auch für dritte Händler. Dort allerdings nicht mit Online-Anbindung. Der Shop lässt sich übrigens nicht sortiert durchsuchen, sondern nur nach "Walls".

Etwas abseitiger, aber eigentlich genial für Communities sind z.B. Cocktail-Verkaufsparties. (OK, Tupper-Parties kennen wir. Aber die werden ja genauso angesehen wie Kataloge, nämlich "out-of-date"...) Die spanische Gin-Marke Tanqueray hat eine Microsite gebaut, auf der man sich für "Private Cocktails" bewerben kann. Nichts anderes macht Beate Uhse inzwischen ja mit den Dessous-Parties.

Allerdings kann man noch weiter gehen. Wenn man eine Fan-Gemeinde hat, kann man "Location Based Services" ganz ernst nehmen und lokale Events aus einem Truck heraus inszenieren. Hier mal ein Beispiel des "Bustaurants" Worldfare:

All das zeigt: Es geht auch ohne Internet. Man kann Retail für sich immer wieder neu erfinden. Und wenn es für Retail geht, warum dann nicht für jeden - JEDEN - anderen Kanal?
Man sieht aber auch, dass nicht jedes Konzept sich einfach oder elegant wie Supermarketsarah.com ins Internet übertragen lässt. Deshalb ist Multichannel eben mehr, als seinem Kunden überall zu begegnen. Es muss ein echtes Konzept dahinter stehen. Aber wer meint, der eine oder andere Kanal sei "dead as a dodo", bestimmt damit erst mal lediglich die Grenzen seiner Phantasie.
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Eine weitere Innovation für den Handel in Verbindung mit dem Internet. Dieses Medium faziniert mich immer wieder!
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