Social Media: Stop whining - start selling!
Im nächsten März beerdigt die Marketing 2.0-Konferenz in Paris offiziell Social Media. Das war ja eine kurze Episode. Heute wissen wir alle, dass Social Media nur Arbeit macht und nicht verkauft. Oder doch?
Ich behaupte: Wir haben noch gar nicht angefangen, Social Media ernsthaft für den Verkauf zu nutzen. Wer hat denn in Deutschland als Versandhändler schon eine Social Media-Strategie? Um meinen Hut in den Ring zu werfen, hier mal ein paar Thesen, warum Social Media gerade erst auf die Welt gekommen ist.
- Wer die Onlineshop z.B. im höchst gruscheligen Mode-Versandhandel durchstöbert, findet den Link zu Twitter oder Facebook dort in der Regel schamhaft in der Fußzeile versteckt. Also weder auf der Homepage noch bei den Kategorien oder den Artikel-Seiten. Von nix kommt nix.
- Wer die Facebook-Präsenzen der Unternehmen sieht, findet dort viel Interaktion, viele Links in den Shop, aber kaum sinnvolle Apps, die den Social Graph der Freunde nutzen. Die also Spielelemente nutzen, bei denen die Freunde nur durch die Aktivierung ihres eigenen Facebook-Umfelds gemeinsam gewinnen können.
- Wer sich die Twitter-Auftritte ansieht, kann kein systematisches Hash-Tagging feststellen. Entweder man hat diese explorative Phase schon hinter sich - oder es hat noch keiner darüber nachgedacht, dass die Nutzung von #-Zeichen mehr als nur Netiquette ist.
- Und wenn wir schon dabei sind: Dass permanent verlinkt wird, ist ja schön. Aber ich sehe keine Test-Strategien. Wenn doch die Aufmerksamkeitsspanne bei Twitter nur so kurz ist, dann muss ich doch testen, ob ein Artikel besser am vormittag oder nachmittag angeteasert wird. Oder ob diese oder jene Tweet-Form mehr zieht.
- Generell haben die deutschen Versender keinerlei Phantasie, was verkaufsorientiertes Engagement angeht. Vermutlich, weil sie z.B. im System keine Punkte o.ä. abbilden können. Natürlich wird dann mal für gute Vorschläge eine Ledertasche verlost. Aber das ist dann auch schon alles.
"Social Media ist kein Ort zum Verkaufen, sondern für Engagement Marketing!" Ich kann diese Dummphrase nicht mehr hören. Wenn ich Geld für Social Media ausgebe, dann ist es Umfeld. Vkf. Verkaufsvorbereitung und Verkaufsförderung. Es gab mal Zeiten, da hatten die Versender ganze Abteilungen, die sich nur um die Vkf-Maßnahmen gekümmert haben. Da wurden mehrstufige Gewinnspiele gebastelt, die so stark waren, dass fünfstellige und sechsstellige Aktivierungszahlen (nach der Wende 1990 auch siebenstellige) erreicht wurden.
Und heute, wo man über sechs Stufen mit jedem Menschen auf der Welt verbunden wird, sind wir dankbar, wenn man mit uns redet, und trauen uns nicht, mit etwas Phantasie zu verkaufen. Und diskutiert stattdessen über den Wert für die "Marke". Diese Karte sollte man erst ziehen, wenn man alles versucht hat.
Übrigens: Wer mal versucht hat, Gutscheine bei Facebook einzusetzen, der dürfte über den Aktivierungsgrad angenehm überrascht sein. Aber klar, das ist ja gestriges Direktmarketing, kein Dialogmarketing der neuesten Art...
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Redaktion Versandhausberater (Bonn/München)
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