Vergesst E-Commerce!
Natürlich meine ich das nicht ernst. Aber in Gesprächen am Rande der Nürnberger mailingtage wurde sehr deutlich, wie man sich durch die Fixierung auf technische Möglichkeiten des Onlinehandels ins Abseits stellen kann.
Zwei Beispiele, zunächst ein sehr einfaches: Viele, die nur in der Online-Welt leben, beherrschen heute das alte Prinzip der Listen-Hygiene nicht mehr. Ein nicht eben kleines Versandhaus stellte fest, dass e-Mails nicht konsequent Dubletten-bereinigt wurden. Resultat: Bestandskunden wurden parallel mit Akquisitions- und Bestands-Werbung ausgestattet.
Das zweite Beispiel ist viel gravierender. Es gilt im E-Commerce als Tugend, nicht verfügbare Artikel gar nicht erst anzuzeigen. Das ganze wird auch wettbewerbsrechtlich relevant, wenn Artikel in Preisvergleichen vorhanden, aber gar nicht lieferbar sind. Unter dem Gesetz des Pull-Marketing ist so eine Optimierung absolut akzeptabel.
Tatsächlich freuen sich die Versender im Internet über deutlich höhere „Ausschöpfungsquoten“ als im klassischen Versandhandel.
Aber der Versender weiß eigentlich, dass seine Kataloge aus gutem Grund Nachfrage protokollieren, also Brutto-Nachfrage noch vor dem BRUMS und NUMS (Brutto- und Nettoumsatz): Es sind erstens hoch relevante Daten, um die Lieferbereitschaft aus Kundensicht zu messen (nicht aus Einkaufsperspektive), und zum anderen, um den zeitlich flexiblen Kunden zu sichern, der bereit ist, auch ein paar Tage zu warten. Es liegt ein deutliches Delta zwischen dem lieferfähigen und dem nachgefragten Sortiment. Hier kann man die Disposition optimieren und so den Umsatz steigern. Wenn man aber nichts mehr anbieten kann oder will, was gerade nicht am Lager ist, vermeidet man zwar NaLis und senkt die damit korrespondierende Retourenquote. Aber man optimiert den Umsatz dennoch nach unten.
Wie viel Nachfrage erkennen wir online überhaupt nicht mehr? Wie viel Umsatz verlieren wir, weil die Technik des e-Commerce uns als Händler blind macht?
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Für Informationen zu den nächsten aktuellen Terminen und der Möglichkeit, unsere Referenten für eine Inhouse-Schulung zu buchen, wenden Sie sich bitte an Sarah Mertens, sam(at)fid-verlag.de.










das ist ein interessanter Aspekt. Ich möchte allerdings hinzufügen, dass auch online Antworten gegeben werden können. Der Händler darf zwar einen nicht vorrätigen Artikel nicht als bestellbar ausweisen. Ist aber eine Beschaffung denkbar, könnte er den Kunden auffordern, sein Interesse zu bekunden oder einen Artikel für eine kommende Lieferung zu reservieren.
Beste Grüße
Rolf Becker
Rechtsanwalt
www.rolfbecker.de
das ist wirklich wichtige Anmerkungen. Ich beobachte diese Phänomen ebenfalls seit langem. Bruttobedarf ist das Mafo-Instrument für den Bedarf des Kunden, bringt Impulse Sortimentserweiterung und Feedback zur Güte der Disposition. Das wären auch für einen Online-Händler wichtige Informationen, und verhindert, dass man in seinem eigenen Saft brodelt oder sein Angebot zu sehr zuspitzt.
Schöne Grüße
Helga Trölenberg
dieses Phänomen beobachten wir in der Beratung schon seit längerem. Qualifizierte Schätzungen lassen vermuten, dass bis zu 30% der eigentlichen Nachfrage auf diese Art versickert, ohne das es jemand überhaupt merkt. Und das in Zeiten, wo alle Unternehmen hart um Wachstum und Marktanteile kämpfen. In solchen Fällen entwickeln wir mit unseren Kunden intelligente Maßnahmen, um sich einen großen Teil dieses Marktvolumens am Ende doch noch zu sichern, ohne dass man gleichzeitig seine strategische Kundenorientierung aus den Augen verliert. Die Anstrengungen lohnen sich meist außerordentlich, da man den Zusatzumsatz in großen Teilen zu Grenzkosten machen kann …
Beste Grüße, Bernd Knickrehm contrinet – consulting l services l network
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