Warum Media-Saturn scheitert, wo PC-Spezialist reüssiert

Warum Media-Saturn scheitert, wo PC-Spezialist reüssiert

Nach der wilden Entschlossenheit des Frühjahrs zögert Media-Saturn den Start des deutschen Onlineshops wieder hinaus. Es fehlt am Willen. Und an der Kompetenz. Letzteres zeigte sich schon beim Start des holländischen und österreichischen Shops, die eher altbacken daherkamen. Angeblich läuft es auch nicht so gut beim Umsatz.

Ein zentrales Problem soll die Integration von Versand und Filialen sein. Das aber ist wohl eher ein konzeptionelles und ideologisches Problem. Ich hatte heute die Chance, länger mit Andreas Wenninger, COO von Synaxon, zu sprechen. Der hat kurzerhand neue Geschäftsmodelle und eine ganz andere Art von Franchise-System erdacht. Social Commerce, der tatsächlich funktionieren kann.

Dass PC-Spezialist einen Onlineshop startet, war ja durchaus kein Selbstläufer. Über ein Affiliate-System können die Händler zwar jetzt schon verdienen, aber was noch fehlte, waren Subshops. Auf der jetzt eingeführten Sage-Plattform fehlen die weiterhin, was sich aber 2011 ändern wird. Dann dürfen die Franchiser für den lokalen Absatz Spot-Produkte direkt zu den weltweiten Synaxon-EKs einkaufen. (Das Synaxon Einkaufsbudget liegt bei den IT-Produkten über die verschiedenen Aktivitäten der AG bei mehreren Milliarden Euro.) Und weil sie dann auch mit ins Risiko gehen, dürfen sie die auch in einem Subshop auf eigene Rechnung verkaufen. Zusätzlich verdienen sie künftig an der Beratungsleistung mit: Wenn Kunden aufgrund von beratenden Texten kaufen, die ein Franchiser ins PC-Spezialist Expertenforum gestellt hat, erhält er dafür einen Anteil. Sind an der Kaufentscheidung mehrere Experten beteiligt (Franchiser oder Dritte), verteilen sie die Provision untereinander.

Media-Saturn und Synaxon sind sicher nicht oder kaum vergleichbar. Darum geht es hier aber nicht. MSH versucht, zwei konkurrierende überkommene Systeme irgendwie durch Preismechanismen "getrennt vereint" zu halten. Synaxon baut das Geschäftsmodell so um, dass die Stärken des Spezialisten vor Ort gleichzeitig allen zugute kommen, aber für den einzelnen eine permanente Einkunftsquelle werden können.

Übrigens: Laut Wenninger bringt der zentrale Onlineshop heute schon nachweislich Kunden in die Filialen. Allein dadurch hat sich die Umbenennung von snipr.de in PC-Spezialist.de für die Franchicse-Nehmer schon gelohnt.

 

Kommentare

Gerald schreibt am 13.09.10 18:34:
Eine Herausforderung für MSH im Internet wird es vermutlich auch sein, die Offline-Preiswahrnehmung des unangefochtenen Preisführers in die Online-Welt zu übertragen. Aufgrund der hohen Preistransparenz im Web wird schnell deutlich werden, dass die Ingolstädter nicht immer die günstigsten sind. Auch das offline erprobte WKZ-Modell ist nicht so einfach übertragbar. Wir sind gespannt...
Martin schreibt am 15.09.10 21:11:
Dabei könnten auch lokale Händler heute schon so schön nachschauen und dann alle Preise von Seite 2 unterbieten. Ab da ist Media-Markt und Saturn nämlich oft nicht mal mehr da der Preisführer. Bzw. die Händler könnten noch etwas drunter kommen, ohne die Marge ganz zu verlieren. Habe ich mal mit Klaus Skripalle von der BerlinBakery durchgesponnen...
Jan schreibt am 16.09.10 16:00:
Genau für diese Situation ist unsere iPhone-App gedacht: man steht im Media Markt, scannt den Barcode und die App spuckt unsere Preise aus. Aber das ist derzeit natürlich eher noch ein Nischenthema. Wenn man mit der App auch kaufen kann, werden wir richtig anfangen das zu pushen.
Andreas schreibt am 17.09.10 10:47:
@Jan Miczaika: Sie ist schon Klasse, diese Barcode App....
Wohin führt sie uns? Der Handel wird am Anfang der Showroom des Internethändlers sein. Artig werden da die Produkte präsentiert. Immenser Aufwand wird betrieben, um Produkt XY ins rechte Licht zu rücken.
Das finden die meisten Kunden sehr angenehm und schön. Dann zückt der Kunde aber sein iPhone etc. prüft den Preis, der sicher beim Händler etwas höher sein kann. Der Kunde konfrontiert im besten Fall den Händler damit, meist wird er sagen: \"ich muss es mir noch mal überlegen.\", aber der Kunde geht schnurstracks nach Hause, ins Internet und ordert beim Billigsten.

Der Händler muss seinen Laden, das Lager, das bereitgestellte Personal usw. bezahlen und möchte am Ende das Tages für die Mühe selbst auch etwas verdient haben.
Irgendwann reicht dem Händler der Umsatz aber nicht mehr, da er die Marge eh schon gedrückt hat, wegen der \"Heuschrecken\" im Internet und des ungeheuren Preisdrucks durch Barcodeprüfer etc. Er schließt seinen Laden für immer. Nun geht aber dem Internethändler wieder ein weiterer Showroom verloren. Das setzt sich so lange fort, bis die entsprechenden Marken und Produkte nicht mehr ausreichend vor Ort verfügbar sind und die Nachfrage nachlässt. Im Idealfall macht der Internethändler einen Laden auf und merkt, dass mit diesen Preisen stationär nichts zu gewinnen ist...
-----Ich möchte jetzt nichts dagegen sagen, dass Preise geprüft werden sollen und sogar MÜSSEN, aber mir kommt bei alledem langsam zu kurz, dass der Preis häufig aus mehr besteht, als nur dem Kaufpreis. Dazu gehört die Beratung, Prüfung, Darstellung und Ansicht des Produkts vor Ort. Um diesen Verdienst wird aber der stationäre Händler immer häufiger betrogen. DESHALB kostet ein Produkt vor Ort oft mehr.--------

Das alles wird mittelfristig zu einer absoluten Verödung im Handel führen.

Zurück zu MSH: Dieser große Handelsgruppe zeigt uns hervorragend, in welchem Dilemma sich der Einzelhandel befindet. Gleichzeitig zeigt es, wie gegensätzlich beide Vertriebsformen sind, sich dabei bedingen und gleichzeitig abstoßen.

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