Welcher Umsatzfaktor ist die Logistik?
Seit Amazon Prime und dem oft nicht durchkalkulierten, aber inzwischen Preisvergleichs-relevanten kostenlosen Versand schauen Versandhändler auf die Lieferkosten vor allem als Vkf-Hebel. Dabei leistet "Speed of Delivery" noch viel mehr - beweist Shutl.co.uk.
Im vergangenen Jahr berichtete ich über den neuen Logistik-Dienstleister Shutl, der in London taggleiche Zustellung für einen Preis anbietet, der z.T. noch unter dem Standard-Versand per Post liegt. Shutl verknüpft, wie berichtet, die Status-Meldungen von Fahrrad-Kurieren mit den Aufträgen, die aus Filialen des Testkunden Argos verschickt werden sollten.
Das Konzept war so erfolgreich, dass Shutl.com jetzt auf ganz England ausgedehnt wird. Bis zum nächsten Weihnachtsfest sollen alle größeren Städte vom Service profitieren können. Für die Multichannel-Anbieter ist das auch deshalb wichtig, weil Shutl-Kunden grundsätzlich höhere Aufträge platzieren, wie Tom Allason im Blog berichtet:
We have pretty cool data on our retail partners, regarding both their Shutl and non-Shutl orders. On average over the last 10 months, across all of the retailers we work with, our orders have had an AOV 131% higher (yep, you read it right… 131% higher) than across their normal (non-Shutl) orders. Furthermore we have also discovered that our orders are, on average, 37% more likely to convert than the retailer’s normal (non-Shutl) orders. So that brings us to some pretty interesting maths: 131% increase in AOV x 37% increase in conversion = 48% increase in gross profit.
Ob diese Zahlen nun belastbar sind oder nicht, und ob sich Shutl.co.uk für mehr als eine Hand voll stationäre Multichannel-Anbieter wirklich lohnt, sei mal dahin gestellt. Unstrittig ist aber, dass ein Kunde sich von mehr Geld trennt, wenn die Ware schneller bei ihm ist. Das ist schließlich, wie man heute weiß, im Gehirn so verdrahtet: Die Präsentation der Rechnung im Zuge des Checkout löst Schmerzimpulse im Gehirn aus - je mehr, je höher die Summe ist. "Instant gratification" kann nur der Einzelhandel bieten. Aber Lieferung tagesgleich oder zumindest bis zum nächsten Tag mildert das Strafempfinden. Klar also auch, dass Conversion steigt, weil Vermeidungsreaktionen verringert werden.
Klar - Kreditkartenkauf in England ist ein anderer Schnack als Rechnungskauf in Deutschland. Dennoch können für Anbieter wie Weltbild, Walbusch, Bonprix, Douglas oder andere, die über Filialen in vielen Städten verfügen, Experimente mit alternativen Zustellformen (z.B. Fahrradkuriere) mehr als nur Rechenexempel sein. Denn dahinter steht ja auch mehr Umsatz. Für alle anderen auf jeden Fall - gerade wegen der wachsenden Konkurrenz mit stationären Anbietern in Suchmaschinen - ein Grund mehr, die Logistik straff zu organisieren und die Versanddienstleister herauszufordern.
Noch ist das Feld bei uns unbestellt - Idee für ein Start-up?
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Es wird auch weniger retourniert...
Ich hatte beim e-food Kongress vor ein paar Monaten über dieses Thema referiert und über die Vernetzung von verfügbaren Zustellresourcen (nicht nur Fahrradkuriere aber auch Pizzazusteller, Zeitungsauslieferer, u.v.m)...Es sind einfach Kapazitäten da die lediglich einer besonderen Systematik der Vernetzung bedürfen und natürlich dem Willen zu Kooperationen...
Weitergedacht heißt das natürlich, dass man z.B. auf Grundlage von Location-Angaben der Nutzer Routen optimieren kann. Das ist natürlich viel komplexer, aber der entscheidende Punkt ist die Dynamisierung der früher starren Zustellrouten.
Übrigens haben wir beide Konzepte - shutl.co.uk und DHL SmartTruck - auf die ECOM Berlin eingeladen. (www.ecom-berlin.de)
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