Wird Harry & David das nächste Opfer eines Investmentfonds?
Offenbar steht die amerikanische Versandhandels-Ikone Harry & David vor der Insolvenz. Das Unternehmen verzeichnete im entscheidenden Weihnachtsquartal leicht rückläufige Umsätze aufgrund von höheren Rabatten. Zwar verfügt das Unternehmen noch genügen kurzfristiges Kapital, wird aber bestimmte verpflichtende Leistungskennzahlen nicht erreichen.

Auf den ersten Blick scheint es, dass hier ein Unternehmen dem wachsenden Wettbewerb nicht standhalten kann. Geschenkkörbe mit frischen Früchten waren einmal eine Rarität - heute sind sie es nicht mehr. Nicht zu vergessen, dass H&D mit seinen Ablegern Cushman's und Wolferman's (erst kürzlich akquiriert) ein sehr saisonales Geschäft betreibt, bei dem hohe Vorkosten bestehen, die bei kleinen wirtschaftlichen Problemen bereits massive Auswirkungen auf die Bilanz haben. Und wo die opulente bildliche Darstellung enorm wichtig ist, kann ein Unternehmen nicht so einfach auf den Katalog verzichten - der im übrigen regelmäßig Preise wegen seiner exzellenten Fotografie und verkäuferischen Klasse erhält.
Jüngster Streich war es allerdings, das Layout und die Ansprache der Kataloge deutlich zu ändern. Die Fotografie war stets eine starke Seite von Harry&David. In den Weihnachtskatalogen fanden sich aber vor allem freigestellte, kleinere Aufnahmen der Geschenkkörbe. Es wundert nicht, dass H&D nun seine Differenzierung verloren hat und stärker mit Rabatten für Nachfrage sorgen musste. Hier ein Video meiner guten Bekannten und Kollegein Sherry Chiger:
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Bis vor wenigen Jahren galt H&D als eines der besten amerikanischen Traditionsunternehmen. 2004 verkaufte die japanische Holding die Bear Creek Corporation, zu der neben Harry & David auch der Blumenversender Jackson&Perkins zählte, an den Investment-Fonds Wasserstein & Co. Der folgte dem üblichen Prozedere und lud H&D die Schulden für die Übernahme auf.
Wenige Monate nach der Übernahme standen also auf einmal Schulden von 245 Mio. Dollar in den Büchern, zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte. Der Schuldendienst erforderte massive Einschnitte bei Personal und Marketing. Jackson & Perkins wurde verkauft. Die Zinsen allein kosteten jedes Jahr 20 Mio. Dollar und brachten letztlich H&D in die roten Zahlen, als 2008 die heftige Rezession einsetzte.
Im vergangenen Frühjahr ersetzte Wasserstein den langjährigen CEO Bill Williams, den alle vorigen Investoren samt seinem Team an der Spitze belassen hatten, durch zwei branchenfremde Manager. Diese hatten ihre vorigen Positionen angeblich wegen diverser Vergehen verloren. Der neue CEO installierte ein frisches Management-Team vor Ort und führt Harry & David seitdem selbst aus Büros in einem anderen Bundesstaat, mehrere tausend Kilometer entfernt.
Und nun die Insolvenz. Wird Wasserstein alles tun, um Harry & David die Zukunft zu sichern? Man kann es nur hoffen - aber Wasserstein hat in die damalige Akquisiton knapp 83 Mio. Dollar eigenes Kapital gesteckt und seitdem schon gut 100 Mio. Dollar aus dem Unternehmen zurückerhalten.
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