Nachdem der Hessische Rundfunk in der Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeit bei Amazon“ die prekäre Situation von Leiharbeitern bei Amazon aufdeckte, braust nun ein Shitstorm über den Konzern hinweg. Die Kunden laufen in sozialen Netzwerken Sturm. Auf der Facebook-Seite von Amazon und bei Twitter machen die Konsumenten ihrem Ärger Luft. Viele kündigen an, künftig nicht mehr bei Amazon zu bestellen.
Die Dokumentation berichtet unter anderem von falschen Lohnversprechungen, mit denen Arbeitskräfte aus ganz Europa geködert werden, Arbeiten unter Druck und ständiger Kündigungsangst, zentraler Unterbringung auf engstem Raum und ständiger Kontrolle durch Sicherheitspersonal mit möglichen Neonazi-Verbindungen bis in den Wohnbereich hinein. Es entsteht der Eindruck, dass Amazon seine erfreuliche Umsatzsteigerung in Deutschland (2012: 6,45 Mrd. Euro) auf dem Rücken der Mitarbeiter und Leiharbeiter ausgetragen hat.
Amazon nimmt auf Anfrage des Versandhausberaters zu den Vorwürfen Stellung. Der Konzern erläutert, dass man zu Spitzenzeiten unter anderem auf Zeitarbeitsfirmen zugreife, um die 7700 festangestellten Mitarbeiter in den deutschen Amazon-Logistikzentren zu unterstützen. Die Bedingungen dieser Leiharbeiter kommentiert Amazon allerdings nur wage: „Wir nehmen die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst und überprüfen externe Dienstleister, die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig.“ Auch das Sicherheitspersonal will man sich demnächst genauer ansehen.
Zu den Löhnen teilt Amazon mit, dass die im Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, ihre vollen Löhne erhalten haben. Auch wenn Amazon diese Anschuldigung entkräften will und seine Dienstleister überprüft – der Image-Schaden ist bereits entstanden. Nicht zum ersten Mal, und auch Konkurrenten wie Zalando haben bereits zu spüren bekommen, wie schnell die Stimmung umschlagen kann. Dann wenden sich selbst treue Kunden ab. Vor diesem Hintergrund wirkt das neuerliche Versprechen von Amazon, sich zu bessern, wie ein Lippenbekenntnis.