Werner Otto, Gründer der Otto-Gruppe und der Einkaufscenter-Entwicklungsgesellschaft ECE, ist am 21. Dezember im Alter von 102 Jahren im Kreise seiner Familie in Berlin gestorben. Der im Jahr 1909 geborene Unternehmer gehörte zu den letzten noch lebenden Wirtschaftspionieren der Nachkriegszeit, die Deutschland entscheidend geprägt haben. Dabei hatte Werner Otto eigentlich erst über Umwege zu seiner Berufung - dem Versandhandel - gefunden.
Zunächst hatte der gebürtige Brandenburger in Hamburg nach dem Krieg eine Schuhfabrik gegründet. Als dann aber die Zonengrenzen geöffnet wurden, konnte er nicht mehr mit den traditionell in Südwestdeutschland ansässigen Schuhfabriken konkurrieren. Diese hatten das bessere Personal und damit auch die besser verarbeitete Ware. Otto schloss daraufhin seine Fabrik und investierte die verbliebenen 6.000 DM in sein neues Versandgeschäft. Mit gerade einmal vier Mitarbeitern begann er 1949 daher damit, von nun an solche Schuhe zu verkaufen, die andere produzierten.
Unvergessen bleibt der erste Otto-Katalog, der heute im Haus der Geschichte (Bonn) zu besichtigen ist. Auf gerade einmal 14 Seiten wurden 28 Paar Schuhe angeboten, die Auflage bestand aus 300 handgebundenen Exemplaren mit eingeklebten Fotos. Ein Jahr später folgt der erste gedruckte Katalog mit 28 Seiten. Die Auflage von 1.500 Exemplaren generiert eine Million Umsatz - Ende der 50er Jahre kommt der Otto-Versand auf über 100 Millionen Mark Umsatz.
Das Leben und den Pioniergeist von Werner Otto in einem Artikel zu würdigen, ist schier unmöglich. Sein unternehmerischer Erfolg basiert aber sicherlich darauf, dass Werner Otto in seinem Leben viele und in der Regel auch richtige Entscheidungen getroffen hat. Stellvertretend dafür steht beispielsweise, dass Otto bereits in den 50er Jahren als erster Versender in Deutschland den Kauf auf Rechnung angeboten hat (Motto: "Vertrauen gegen Vertrauen"). Oder der Entschluss, bereits Mitte der 60er Jahre das operative Geschäft abzugeben. Auf diese Weise konnte geschickt verhindert werden, dass dem Unternehmensgründer einmal der passende Nachfolger fehlt - ein Punkt, an dem viele mittelständische Unternehmen immer wieder scheitern.
Beispielhaft war auch, wie sich Werner Otto für seine Mitmenschen engagiert hat: beispielsweise über die 1969 gegründete „Werner Otto Stiftung“, die Krebskrankheiten erforscht. Für dieses soziale Engagement erhielt Werner Otto unter anderem das Großkreuz des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Möge er in Frieden ruhen.
Ein multimedialer Nachruf mit zahlreichen Fotos, Videos und einer Zeittafel ist online abrufbar unter www.Werner-Otto.info


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