Nachrichten aus dem Versandhandel

Praxistipp: So optimieren Sie Ihre Warendisposition

von Redaktion Versandhausberater

25.05.2012 - Immer mehr Versandhändler ergänzen ihr Sortiment um neue Produkte und Marken. Wenn es von einzelnen Artikeln dann auch noch verschiedene Ausführungen gibt (z.B. nach Farbe und Größe), führen Versender schnell eine fünf- oder gar sechsstellige Zahl an Artikeln im Bestand. Jetzt geht es darum, diesen Warenbestand betriebswirtschaftlich sinnvoll auszusteuern. Schließlich werden manche Artikel mehr nachgefragt, andere weniger. Wer hier nicht aufpasst, kann wichtige Artikel plötzlich nicht mehr liefern, da sie ausverkauft sind - während gleichzeitig Ladenhüter weiter wertvollen Lagerplatz beanspruchen. Mit den folgenden Tipps lässt sich so ein Worst-Case-Szenario aber vermeiden:
Führen Sie regelmäßig ABC-Analysen durch:
Bei Umsatz-ABC Analysen werden Artikel nach ihren Verbrauchswerten der letzten zwölf Monate sortiert und als umsatzstarke Produkte (A-Artikel) oder Ladenhüter (C-Artikel) klassifiziert. Mit diesen Erkenntnissen kann man die Beschaffung nun auf die wirtschaftlich bedeutenden Artikel konzentrieren! Ein hoher Aufwand für C-Artikel sollte vermieden werden.
Prüfen Sie Bestandsreichweiten und legen Sie Richtwerte fest:
Die Bestandsreichweite zeigt die Versorgungssicherheit im Lager bei einem durchschnittlichen Abverkauf an. Sie können nun für ABC-Artikel und Kernsortimente verschiedene Richtwerte in Tage für die Reichweite vorgeben, um eine sichere Warenverfügbarkeit zu gewährleisten.
Analysieren Sie mit welchen Artikeln und Warenkörben Sie Gewinne oder Verluste erzielen: Margen lassen sich über den letzten Einstandspreis und dem Verkaufspreis schnell ermitteln. Doch welche Kosten für die Warenvereinnahmung, Qualitätsprüfung, Lagerung, Kommissionierung, Versand oder Sonderkonditionen entstehen bzw. lassen sich sogar individuell auf den Warenkorb zuordnen? Überprüfen Sie daher immer auch Beschaffungs- und Logistikkosten.
Pflegen Sie die Stammdaten wie Wiederbeschaffungszeit oder Sicherheitsbestände:
Die Wiederbeschaffungszeit wird durch den Einkäufer einmal mit dem Lieferanten abgestimmt. Mit dem tatsächlichen und oft kürzeren Lieferrhythmus hat die WBZ häufig nichts zu tun. Eine Korrektur an die tatsächliche Lieferzeit ist daher empfehlenswert. Die Sicherheitsbestände werden ebenfalls selten an den Marktschwankungen anpasst, was zur Unterversorgung oder ewigen Beständen führt (Bodensatz).
Eruieren Sie den tatsächlichen Marktbedarf auf Sortiments-, Marken- und Artikelebene:
Bei der Absatzplanung werden insbesondere die A+B Artikel für zwölf Monate in die Zukunft geplant - manuell oder automatisch mit Prognosen. Über Top-down oder Bottom-up Verfahren lassen sich Planungsabweichungen im Vorfeld erkennen. Gebündelte Betrachtungen für Sortimente und Marken dienen als Vorlage für die Einkäufer. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen, aber sinnvoll. Die Musik spielt bei den umsatzträchtigen A+B Artikeln. Konzentrieren Sie hier Ihre Aktivitäten und bereinigen Sie auch mal das Sortiment. Es lohnt sich.
Autor: Hermann Mehring, Geschäftsführer von SCM Concept, einer Unternehmensberatung für effiziente Betriebsprozesse und nachhaltiges Bestandsmanagement.