Nachrichten aus dem Versandhandel
 (Bild: Gino Crescoli/Pixabay)
Bild: Gino Crescoli/Pixabay

Deutsche sind Retouren-Europameister

17.02.2022 - Europameister im Umtauschen: Fast zwei Drittel (65 Prozent) der Deutschen geben ein Produkt zurück, wenn sie nicht zufrieden sind. Der europäische Durchschnitt liegt bei nur 52 Prozent.

von Susan Rönisch

Im europäischen Vergleich sind französische Verbraucher mit nur 43 Prozent am wenigsten geneigt, eine Bestellung zurückzugeben. Da die Deutschen eine besonders große Vorliebe für Rücksendungen besitzen, ist ein strenges Rückgaberecht für den Umsatz eines Online-Shops hierzulande besonders schädlich.

Bereits vor dem Kauf spielen Rückgabebedingungen eine große Rolle: So brechen 68 Prozent der deutschen Verbraucher ihre Bestellung ab, wenn sie auf der Webseite des Onlinehändlers keine Informationen zu Rückgaben finden können. Dies ergab eine aktuelle Untersuchung der All-in-One-Versandplattform Sendcloud. Sowohl für Einzelhändler als auch Verbraucher sind Rücksendungen nicht wünschenswert. Sie kosten schließlich Zeit und Geld und sind oft mit Papierkram verbunden. Es überrascht daher nicht, dass knapp die Hälfte der deutschen Verbraucher (47 Prozent) in der Sendcloud-Befragung angibt, dass Rücksendungen für sie ein großes Problem darstellen. Deshalb prüfen 80 Prozent der Deutschen regelmäßig die Rückgabebedingungen, bevor sie eine Bestellung aufgeben.

Für 66 Prozent wäre eine Rückgabe, die nur auf eigene Kosten möglich ist, ein Grund, erst gar nicht bei diesem Händler zu bestellen. Eine verpasste Chance für Online-Händler, denen durch komplizierte Rückgaberegeln viel Umsatz entgeht. Eine klare Rückgabepolitik ist also unerlässlich, um die Verbraucher von einem Einkauf zu überzeugen. Folgendes gibt es zu beachten:

Vier Bestandteile der idealen Rückgaberegeln

  • Kostenlose Rücksendungen:
    Verbraucher lieben das Wort "kostenlos". Auch bei Rücksendungen legen die Verbraucher Wert darauf, dass der Händler die Kosten übernimmt. Knapp zwei Drittel der deutschen Verbraucher geben keine Bestellung auf, wenn sie etwaige Rücksendekosten selbst tragen müssen.
  • Ein einfaches Rückgabeverfahren:
    Rückgaben können sehr ärgerlich sein, daher sollten Händler es dem Kunden hier so einfach wie möglich machen. Dazu muss es genügend Rückgabemöglichkeiten geben.
    Obwohl die Mehrheit (63 Prozent) ihre Retouren gerne an einer Paketstation abgibt, wünscht sich knapp jeder Fünfte (18 Prozent), dass das Paket bei ihm zu Hause abgeholt wird.
  • Eine verlängerte Rückgabefrist
    Obwohl das europäische Recht lediglich 14 Tage als Mindestfrist für die Rückgabe eines Online-Kaufs vorschreibt, würden 31 Prozent der deutschen Verbraucher nicht in einem Online-Shop kaufen, wenn die Rückgabefrist weniger als 30 Tage beträgt. Ganze 17 Prozent verlangen sogar eine Rückgabefrist von 60 Tagen oder mehr. Auch wenn es widersprüchlich klingen mag:
    Eine längere Rückgabefrist führt zu weniger Rückgaben, da sich die Verbraucher an ihre Waren binden und mit der Zeit deutlich weniger wahrscheinlich zurückschicken.
  • Eine schnelle Rückerstattung:
    Die deutschen Verbraucher sind bereit, im Schnitt maximal sechs Tage auf die Erstattung ihres Einkaufsbetrags zu warten. Dies ist deutlich kürzer als die gesetzliche Frist von 14 Tagen. Es zeigt aber, dass eine frühzeitige Rückerstattung geschätzt wird und so die Kundenzufriedenheit erhöht.